Ist das nicht ein Widerspruch? Weiterentwicklung, indem man die Komfortzone bewahrt? Nein! Auch wenn bestimmt nicht nur wir immer wieder den Satz hören "Um dich zu entwickeln, musst du die Komfortzone verlassen.", so beweist uns dieser Interviewgast, dass ebendieser Grundkomfort eine ausschlaggebende Komponente ihres Erfolgsweges ist.
Im Interview mit Silke Tessmann-Storch bekommen wir einen Einblick in den Arbeitsalltag einer Führungskraft in der IT Branche. Silke leitet die Business Unit bei der GFT, wo sie ca. 300 MitarbeiterInnen unter sich hat. Auf ihrem Weg hat sie die Erfahrung gemacht, dass es immer ein bis zwei Jahre dauert, bis man auch tatsächlich sein Potential entfalten kann. Das Umfeld, die Spielregeln und damit auch die Möglichkeiten erkennen - das braucht seine Zeit und nur mit diesen Grundlagen werden die besten Ergebnisse produziert. Allerdings bedeutet das nicht, dass ein wenig Reibung keine Zutat dieser Rezeptur ist.
Unser Gespräch führt uns von bewusst rationalen Entscheidungen, konstruktiven Diskussionen und Intuition hin zu Vertrauensaufbau, der Arbeit in gemischten Teams und schließlich zu dem Wunsch, neuen Arbeitsmodellen Raum bieten zu können.
Zur Weiterentwicklung in der Komfortzone bleiben
Silke ist an der Ostsee aufgewachsen, hat mit 18 Jahren Abi gemacht und sich direkt im Anschluss für ein Studium der BWL entscheiden. Damit hat sie schon an einem sehr frühen Punkt in ihrem Leben der Rationalität den Vortritt gewährt. Ihr ursprünglicher Studienwusch war nämlich die Kunst. Tatsächlich ein harter Kontrast, jedoch war ein grundlegender Entscheidungspunkt der Drang nach Selbstständigkeit und damit entstand die Notwendigkeit der Finanzierung. Und sie bereute es nie.
Ihr fiel das Lernen immer leicht, aber die Praxis ist ganz klar Silkes Element und damit bereits damals das Duale Studium die richtige Entscheidung. Zudem konnte sie in dieser Zeit in jeden Bereich des Unternehmens reinlernen und hat damit nachhaltige Erfahrung gesammelt.Mittlerweile ist sie seit 12 Jahren bei der GFT. Wie sie selbst sagt: "Viel länger, als ich je gedacht hätte." Das liegt erneut daran, dass sie in dieser Zeit häufig die Rolle gewechselt hat, somit immer wieder neue Impulse gewann und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung bekam. Auch privat veränderte sich ihre Rolle: sie wurde Mutter von zwei Mädchen.
Silke hat die Erfahrung gemacht, dass es vor allem eine gewisse Komfortzone braucht, um sich auch wirklich entwickeln und Erfolge vorweisen zu können. Daher rechnet sie ein bis zwei Jahre, bis man auch tatsächlich sein Potential entfalten kann, bis man das Umfeld auch erst einmal kennengelernt hat und damit die Spielregeln und Möglichkeiten erkennt. Mit dieser Einstellung ist sie in ihre heutige Position gelangt, wo sie ca. 300 Leute unter sich hat.
Es gibt keinen one-fits-all Ansatz
Sie hatte bereits damals bei ihrem ersten Arbeitgeber Personalverantwortung und wechselt dann bewusst in eine Stelle im Projektmanagement - ohne Personalverantwortung. Der Verwaltungsaufwand war ihr damals einfach zu viel und die Verantwortung zu früh, sie wollte wieder nah am Kunden sein. Besonders durch diese Projektmanagementerfahrung nah am Kunden weiß sie heute umso besser, wen das Team braucht und welche Persönlichkeit passt.
Aktuell führt sie ein Team von Führungskräften. Durch die projektbasierte Arbeit, die in ihrem Team relevant ist, führt sie dieses Team weniger fachlich, sondern primär disziplinär. Das macht es nicht unbedingt einfacher, aber genau diese Herausforderung mag sie. Denn durch gute Diskussionen - konstruktiv und sinnstiftend - lernen alle Parteien und genau diesen Aspekt findet sie wichtig. Auch sie lernt stetig hinzu und besonders die Personen, die am wenigsten ihrem Stil entsprechen, sind die KollegInnen, mit denen die Zusammenarbeit am meisten Spaß macht.
Sie bleibt offen für die zahlreichen Optionen. "Es gibt nicht einen Weg, sondern viele und jeder hat andere Bedürfnisse. Deswegen gibt es keinen one-fits-all Ansatz." Sie hat ganz klar Standardaufgaben, die Zielsetzungen, Reportings etc. beinhalten, aber grundsätzlich lässt sie sich von den Anforderungen des Tages motivieren. Viel Zeit verbgingt sie daher beispielweise auch mit dem Führen von Interviews.
Wenn Menschen zusammenarbeiten, menschelt es
Besonders in den Interviews versucht sie BewerberInnen bestmöglich kennenzulernen und auf den Zahn zu fühlen. Denn ganz klar ist das Fachwissen wichtig, aber die persönliche Komponente steht vorne an - sonst können die Projektteams nicht funktionieren. Daher fördert sie die Intuition ihrer Mitarbeiter. "In 90% der Interviews weiß ich nach 10 Minuten, ob der Bewerber zu uns passt oder nicht." Der erste Eindruck bleibt hiermit korrekt. Sie räumt ein, dass sie auch schon überrascht wurde, aber das tatsächlich nur selten.
Es ist wichtig, Personen einzustellen, die zum Unternehmen passen und auch umgekehrt. Es bringt nichts, die fachlich bestqualifizierteste Person einzustellen, wenn dann das Fachwissen aber mit und vom Team nicht entsprechend genutzt werden kann.Somit bleibt sie ihrer eigenen Aussage "Ich muss das finden, was zu mir passt und wo ich Spaß habe." treu und wendet diese in ihrem beruflichen Alltag im Teamauf-und Ausbau an. Neben der Identifikation mit den vorherrschenden Unternehmenswerten hat sie für sich auch ganz klar Werte identifiziert, die stimmen müssen. Allem voran müssen die menschlichen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Nicht alles passt immer und überall, es muss Raum für Fehler geben. Vielleicht passt eine Person nicht in das eine Projekt, aber zu 100% auf ein anderes.
Ganz persönlich ist zusätzlich für sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. Bei diesem Thema sieht sie auch Bewegung bei jungen Vätern in ihrem Führungsteam und dass somit neue Familienmodelle Anklang finden. Hier spricht sie aus Erfahrung, aber für sie hat vor allem die Einstellung zu diesem Thema immer eine große Rolle gespielt. Sie hat es nie als Hindernis empfunden, als Mutter in eine Führungsrolle zu gehen.
Arbeit ist von Vertrauen geprägt
Nicht nur als Elternteil, sondern auch in der Projektarbeit und zunehmender in allen Berufsfeldern, wird Home Office zum neuen Standard. Das bedeutet, dass man sich nicht durchgehend sieht und dennoch auf Ergebnisse und Ansprechmöglichkeiten vertraut. Silke ist überzeugt, dass dieses Vertrauen sicherlich auch seine Zeit braucht, um aufgebaut zu werden. Dennoch ist es wichtig, zunächst mit einem Grundvertrauen in die Situationen zu gehen. So offensichtlich, aber umso wichtiger: es ist ein Geben und Nehmen. Phasen, wo MitarbeiterInnen ggfs. mehr Autonomie / Flexibilität benötigen, kommen und gehen. Das Zeitfenster ist überschaubar "und das ist kein Grund, ihnen das zu verbauen."
Das Verständnis der Vorgesetzten ist wichtig, aber viel wichtiger ist die Zustimmung des Teams. Vertrauen und damit auch Flexibilität muss immer vom Team gestützt sein, damit diese Einheit gut funktioniert. Und ganz klar ist Kommunikation hier ein wichtiger Aspekt.
An der Stelle reisen wir im Gespräch noch einmal in die Schulbildung aus und stellen auch hier fest, dass Kommunikation auch dort als Grundlage noch viel mehr ausgebaut werden muss. Silke gibt den Impuls, dass es mehr Raum geben muss für Gespräche zu aktuellen Themen, aber auch Exkurse in Themen, die die künftige Arbeit bestimmten: hinterfragen, Meinung bilden, Nutzen von Medien, bewusste Recherchearbeit, Projektarbeit.
Abschließend wünscht sich Silke, dass wir uns in fünf Jahren keine Diskussionen und Gespräche mehr darüber führen müssen, wie sein/ ihr Lebensmodell in die Arbeitswelt passt. Dass wir mehr Verständnis und Flexibilität bekommen.
Vielen Dank, Silke, für diese inspirierenden Worte und einen Einblick in deine Arbeitswelt!
Silke Tessmann-Storch: https://www.linkedin.com/in/silke-tessmann-storch-130468131/?originalSubdomain=de
GFT: GFT treibt die digitale Transformation weltweit führender Finanzinstitute voran. Auch für andere Branchen, wie Industrie und Versicherung, bietet GFT fundierte Beratung und Implementierung rund um zukunftsweisende Technologien – von Cloud Engineering über Künstliche Intelligenz und Internet of Things für Industrie 4.0 bis zu Blockchain. Mit umfassender Technologiekompetenz, starken Partnerschaften und skalierbaren IT-Lösungen steigert GFT die Produktivität in der Softwareentwicklung. Kunden erhalten auf diese Weise schneller und mit geringerem Risiko Zugang zu neuen IT-Anwendungen sowie innovativen Geschäftsmodellen. Gegründet 1987 und in 15 Ländern kundennah präsent, beschäftigt GFT über 5.000 Mitarbeiter. Diese finden bei GFT Karrieremöglichkeiten rund um Softwareentwicklung und Innovation. Die GFT Technologies SE Aktie ist an der Frankfurter Börse im Prime Standard gelistet (Ticker: GFT-XE). Impressum: http://www.gft.com/de/de/index/footer-pages/impressum/

