Two Working Minds
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Anne Emmelmann, Nastassja Brand
Nastassja Brand - Als UnternehmerIn durch die Coronakrise
35 minutes Posted Mar 18, 2020 at 3:27 pm.
Uhr vorübergehend geschlossen wegen Corona. Wegen der Unabsehbarkeit und zur Sicherheit der Menschen. Doch was macht das mit ihr, welche Risiken geht sie ein und stehen ihr bevor und birgt dies gar Chancen? Diese Fragen klären wir im Interview.
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Als UnternehmerIn durch die Coronakrise
Corona ist momentan in aller Munde und auch wir haben uns Gedanken gemacht, wie es uns betrifft. Besonders Nastassja ist Unternehmerin und Inhaberin eines Fahrradladens. Diesen hat sie am Dienstag, den 17.03.,
Radsport Peter Brand: "Wir verkaufen Fahrräder!". Mit einem schmunzeln schildert Nastassja, welche Unterschiede es bei den Rädern gibt und was sie verkaufen. Grundsätzlich sprechen sie normale Familien und Radfahrer an.
In ihrem Laden beschäftigt sie inkl. ihr 12 Personen. Diese arbeiten in der Werkstatt, im Büro und vor allem im Verkauf.
Am Montag, den 16.03. wurde von der Bundesregierung die Aufforderung geäußert, alles zu schließen, was nicht zur Versorgung dient. Da sie eine Reparaturwerkstatt unterhält, darf diese ggfs. Geöffnet bleiben. Hier sind die Informationen jedoch aktuell noch nicht eindeutig. Auch wann, wie, wer, wie lange etc. der Einzelhandel tatsächlich geschlossen werden soll, wurde bisher vom Land Baden-Württemberg auch noch nicht festgelegt. Damit schwebt sie, wie viele andere UnternehmerInnen im Unklaren. Neben den unternehmerischen Sorgen, sieht Nastassja es jedoch als ihr Pflicht, sich, ihre MitarbeiterInnen und auch ihre KundInnen zu schützen. Daher hat sie proaktiv beschlossen, bereits jetzt schon zu schließen.
Das klingt alles sehr vernünftig und plausibel, aber tatsächlich war es auch eine emotionale Entscheidung. In der Fahrradbranche geht jetzt die Saison los und "da bekommst du einen Herzinfakt, wenn du in dem Moment schließen musst." Aber ihr war sofort klar, dass sie ihre Leute schützen muss.
Sie hat am Dienstag auch nicht sofort am Morgen geschlossen, sondern sich, ihrem Team und den KundInnen noch 3 Stunden gegeben. Hier hat sie die wichtigsten Dinge geklärt, KundInnen kontaktiert und informiert. Damit nimmt sie ihre Pflicht und Verantwortung an, die Infektionsgeschwindigkeit zu reduzieren und das Gesundheitssystem zu entlasten. Es geht nicht nur um Corona PatientInnen, sondern auch um all' die anderen kranken Menschen, die behandelt werden müssen.
Besonders, dass der Zeitraum nicht absehbar ist, ist hart. "Umsatzeinbußen sind in dem Zusammenhang zu harmlos." Sie möchte mit allen Mitteln und Wegen ihr Team erhalten können. Dabei sind 4-6 Wochen noch zu überbrücken. Auch zwei Monate. Das wird sehr hart, aber es wird gehen - jeder Unternehmer sollte einen gewissen Puffer aufgebaut haben, aber klar ist auch: ein Unternehmen lebt von der Liquidität.
Dieser Ungewissheit und der Gedankenspirale möchte sie sich aber auch nicht hingeben. Vom Bund gibt es die Zusage, dass dem Mittelstand und Kleinstunternehmen geholfen werden soll. Jedoch formuliert sie das sehr drastisch: "das ist ein Witz". Geben wir uns dem Gedankenspiel hin, dass 1/4 aller Deutschen 1.000€ Gehalt gezahlt werden müsste. Da wird offensichtlich, wie unrealistisch diese Hilfe ist.
Sie kann Kurzarbeitgeld beantragen, wobei dies keine Garantie ist. Dabei ist die Frage, wie sie als Unternehmen gezählt wird und ob sie tatsächlich Anspruch hat. Zusätzlich wir en Unternehmen die Aufnahme eines KfW Kredites erleichtert. Doch das kann ja keine Maßnahme sein, dass die Kleinen auf einmal schnelle Kredite aufnehmen können. In Australien wurde beispielsweise die Hälfte der Mehrwertsteuer erlassen. Das ist eine Maßnahme! Besonders Dienstleister, deren Aufträge aktuell storniert werden, werden sich kaum von diesem Loch erholen können geschweige denn einen weiteren Kredit abzahlen können. Besonders face-to-face Dienstleistungen und Angebote trifft es. Freelancer, Trainer, Coaches etc. Viele Personen, die tatsächlich keinen Kredit abzahlen könnten.
Das sind düstere Umstände, aber es geht wirklich darum, nach vorne zu blicken. Nastassja sieht weiterhin ihre Verantwortung darin, Mobilität anzubieten. Gleichzeitig stellt sie sich der Frage, wie sie sich auf die Zeit danach vorbereitet.
Sie fokussiert sich darauf, dass die Räder dennoch nach der Krise gekauft werden und da ein großer Teil der Einbußen reinkommen. Darauf steuert sie mit ihrem Team hin, obwohl die Situation einfach unmöglich ist.
Generell zeigt aber auch Corona, wie viel Nächstenliebe wir geben müssen und wo wir beweisen können, wie wir uns entwickelt haben. Das geht bei Hamsterkäufen los und geht zur Rolle des Unternehmers in der Gesellschaft.
Das bedeutet, insofern Reparaturen weiterhin vorgenommen werden dürfen, dass Termine vereinbart werden können: wann das Rad vor die Tür gestellt wird, es wird dann von einem Mitarbeiter in den Laden geholt, desinfiziert, repariert und desinfiziert wieder zu einer vereinbarten Zeit nach draußen gestellt. Gleiches gilt für Lieferungen von bestellten Rädern.
Gleichzeitig hat Nastassja direkt am ersten Schließungstag zwei Räder per Telefon verkauft. Das hätte sie so vorher nie gedacht, aber es zeigt, wie gut es doch möglich ist. In die Zukunft blickend wird sie nun auch den Onlinehandel gezielt aufbauen.
Dabei steht der Kunde bei ihr immer im Mittelpunkt und das ist genau die Herangehensweise, die sie voranbringt. So visionär ist eine Telefonberatung nämlich gar nicht, aber man kann auch über Gutscheinsysteme etc. nachdenken. Im Grunde geht es um Marketing und Kommunikation, um weiterhin das Vertrauen in sie und ihr Team zu fördern. Man spürt, dass sie es lebt, den Kunden im Vordergrund zu sehen, nicht den Umsatz.
"Man bekommt einfach auch das zurück, was man gibt." Der Umgang mit den MitarbeiterInnen, KundInnen etc. Das ist die Sichtweise, um den richtigen Weg durch diese Krise zu finden.
Eine wichtige Information teilt sie noch mit uns: sie hat aktuell 13 Rollen Klopapier in ihrem Schrank.
Vielen Dank Nastassja, dass du auch den kleinen UnternehmerInnen Inspiration gibst, einen Weg durch diese schwere Zeit zu finden.