Sabine hat im Februar 2019 das Unternehmen The Organicer gegründet. Damit räumt sie nebenberuflich auf. Das bedeutet, dass sie ihre Kunden dabei begleitet, von Keller bis Dachboden aufzuräumen, denn zu zweit räumt es sich einfach besser auf! Was anfangs einfach erscheint, ist eigentlich ein höchst emotionales Unterfangen, denn wer räumlich Platz schafft, lässt damit auch Erinnerungen raus und los. Quasi ein Neustart im eigenen Heim.
Je nach Kunde ist das mal einfacher oder auch mal etwas schwerer. Aber wenn der Besitz reduziert wird, fühlt sich vieles leichter an und es überträgt sich in andere Bereiche.
So eine Aufräumaktion dauert von 4 bis maximal 8 Stunden. Jedoch sind angesichts der emotionalen Aktivitäten bereits 8 Stunden sehr intensiv. Man glaubt es kaum, aber die meisten Kunden sind Stammkunden und buchen Sabine immer wieder. Besonders die Harmonie in diesem neu geschaffenen Team spielt hier eine große Rolle.
Sabine wurde bereits als deutsche Marie Kondo bezeichnet. Sehr schmeichelnd und ehrlicherweise kam mit ihrem Buch auch die Inspiration zu diesem Businessmodell. Allerdings hat Sabine das japanische Modell um etwas Spiritualität erleichtert und es zu ihr passend abgewandelt.
Wie sieht so ein Tag mit Sabine aus?
Viele Kunden könnten auch alleine aufräumen, aber oftmals ist man einfach von der Fülle im Raum überfordert. Daher gibt sie im ersten Schritt zunächst Struktur: wo beginnt man und wie. Danach folgt sanfter Druck. Wenn ein Kunde zum Beispiel 18 Tassen im Schrank hat, führt sie ihn dahin, dass am Ende wirklich nur noch die Tassen im Schrank stehe , die auch tatsächlich benötigt werden. Eine Frage ist hier zum Beispiel: welche Tassen hast du in den letzten 12 Monaten tatsächlich benutzt?Ein weiterer wichtiger Aspekt ist ein Blick auf die Realität: brauchst du wirklich so viel und braucht es nicht jemand anderes auch?Denn hauptberuflich ist Sabine Flugbegleiterin. Das ermöglicht ihr oder ihren großen Netzwerk, die Spenden direkt zu den Hilfsorganisationen zu bringen. Zu den Menschen also, die diese Dinge tatsächlich brauchen. Durch diesen gemeinnützigen Aspekt motiviert sie ihre Kunden noch einmal zusätzlich zum Loslassen.
Ihr Unternehmen hat somit zwei Ebenen: ausräumen und sozial vermitteln. Dabei achtet sie auch darauf, die Dinge nicht nur ins Ausland zu vermitteln, sondern direkt vor der Haustür nach der Bedürftigkeit zu schauen. Das heißt, sie vermittelt in Frankfurt u.a. an Sozialkaufhäuser.
Nun gibt es viel Kritik daran, dass Dinge unbedarft gespendet werden. Sie stellt aber sicher, dass jeder auch das bekommt, was wirklich benötigt wird. Durch einen engen Kontakt mit den Organisationen kennt sie die Listen der benötigten Dinge und teilt die Spenden genau nach dem Muster auf.Der administrative Aufwand ist dabei nicht zu unterschätzen. Ein gutes Zeitmanagement ist für sie das A und O. Sie arbeitet in Teilzeit, was ihr ausreichend Zeit gibt, um sich um die Administration und ihre Kunden zu kümmern. Besonders das Wissen um eine sinnhafte Tätigkeit motiviert sie. Das Feedback der Kunden bestätigt sie weiterhin in ihrem Tun. „In dem Moment,wo du reduzierst, siehst du die Dinge, die du besitzt und magst und benutzt sie häufiger. Dadurch konsumierst du anders. Somit agierst du nachhaltiger und das macht mich glücklich!“
„Ich hätte nie gedacht, dass ich auf andere Personen so inspirierend wirken kann.“ Viele spricht dabei besonders der soziale Aspekt an, also das gesamtheitliche Geschäftsmodell. Damit knüpft Sabine an den Bedarf ihrer Zielgruppe an.
Sie kann auch sehr gut mit ihren Kunden mitfühlen. Denn den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie durch ihre persönliche Reise gemacht. Sie hat früher viel konsumiert, selbst ausgemistet und wurde im Anschluss in Kenia von den vorherrschenden Lebensumständen schockiert. In dem Moment machte es klick. Und es geht noch weiter, denn Ende 2019 entschied sie, sich 10% ihrer Erlöse zu spenden.Es geht also nicht allein um das Geld verdienen, jedoch bleibt sie auch realistisch und denkt bei zusätzlichen Einnahmen auch an Rücklagen für ihre Rente.
Sabine nimmt uns vor allem auch die Angst vor Komplexität. Sie hat ihren Verwaltungsaufwand prozessoptimiert und hat viel im Kopf und punktet vor allem durch offene Kommunikation mit ihren Kunden mit einer unkomplizierten Terminkoordination.
Fast obligatorisch fragen wir sie, ob sie sich irgendwann zwischen ihren beiden Standbeinen entscheiden wird. Sie sagt: nein! Und wenn es vorher noch nicht klar war, dann jetzt. Sabine ist ganzheitlich mit ihrem Herzen dabei. Sie liebt beide Jobs und geht auch bewusst bei der Airline die Karriereleiter nicht weiter hoch. Sie ist dort glücklich, wo sie ist. Dabei treibt sie die Vision, dass ihre Kunden dabei unterstützen kann, neu anzufangen und einen neuen Weg im Konsumverhalten aufzuzeigen.
Als Unternehmerin steht sie nun auch vor dem Schritt, einen neuen Mitarbeiter anzustellen. Besonders das Anforderungsprofil stellt sie vor eine Herausforderung, da Empathie und die schnelle Reaktion auf neue Situationen ein wichtiger Bestandteil sind und schwer zu ‚testen‘ sind.
Wenn Sabine könnte, würde sie das Schulfach ‚Achtsamkeit‘ einführen. Hierbei geht es ihr besonders um Achtsamkeit in Bezug auf den Umgang mit Zeit, Ressourcen und mit einem selbst. Sie hebt dabei besonders hervor, dass es wichtig ist, auf den Körper zu hören und auf Stresssymptome zu achten und den Umgang mit Druck.
Hier bestätigen sie Studien, dass Meditation und andere Arten der Achtsamkeit Konzentration enorm bessern. Zusätzlich spricht sie aus eigener Erfahrung, weshalb sie sich zu Beginn des Jahres eine Woche Urlaub genommen hat, um ihre Ideen zu strukturieren und mit einem geordneten Kopf in das neue Jahr zu starten.Schließlich kann man anderen nur etwas Gutes tun, wenn man sich vorher auch um sich selbst kümmert.
Vielen Dank für das inspirierende Interview, Sabine!

