
Die Bioeconomy steht für einen grundlegenden Transformationsprozess von Volkswirtschaft und Industrie. Der Schritt von fossilen Grundstoffen weg und hin zu biobasierten Ausgangsstoffen ist erheblich, aber auch nötig. Der einzige Weg unseren Wohlstand zu erhalten, sagt Dr. Stephan Meeder, CEO undCFO von Cropenergies. Cropenergies steht mitten in dieser Transformation. Das Unternehmen produziert einen ganzen Komplex von Produkten, von Bioethanol über Alkohol für die pharmazeutische Industrie, das Lösungsmittel Ethylacetat, Futtermittel für Aquakulturen und grünen Strom. Und nicht zuletzt: Kohlenstoff. Es ist ein Missverständnis, so Meeder, dass wir uns vom Kohlenstoff verabschieden müssten, im Gegenteil. Er darf nur nicht mehr aus fossilen Quellen kommen. Daher brauchen wir eine De-Fossilisierung, keine De-Carbonisierung. Wir stehe mitten in einem Transformationsprozess. Meeders Prognose ist positiv: Stück für Stück können wir den Anteil des Rohöls in Kraftstoffen und weiteren Produkten senken. Das geht alles nicht von heute auf morgen, aber technologisch ist alles da. Die Schwierigkeit der Bioökonomie ist häufig: Der Prozess führt zwar zu am Ende identischen Molekülen; sie aus anderen Rohstoffen zu gewinnen, ist aber in vielen Fällen aufwendiger, also teurer. So ist das, was technisch identisch und wirtschaftlich nachteilig ist, zugleich für die Gesellschaft wertvoll. Das sind die Diskussionen der kommenden Jahre, die wir gesellschaftlich lösen müssen. Zu Gast: Dr. Stephan Meeder, CEO und CFO Cropenergies.
Sep 14, 2022
25 min

Wir brauchen neue Pflanzen und wir brauchen sie schnell. Die Klimakrise setzt die Pflanzen unter Druck; wir wollen und brauchen eine andere Landwirtschaft und wer fossile Rohstoffe durch Biogene ersetzen will, muss die Erträge der Landwirtschaft noch weiter steigern. Was also tun? Robert Hoffie ist Biotechnologe für Pflanzen und forscht am IPK Gatersleben. Er sagt: Züchtung ist zu langsam und zu unpräzise. Wer klassisch züchtet, braucht mindestens 15 Pflanzengenerationen. Das sind bei Getreide zehn Jahre, bei vielen anderen Pflanzen erheblich mehr. Soviel Zeit haben wir nicht. Hoffie setzt darauf, einzelne Gene in Kulturpflanzen verändern oder ersetzen zu können. Dafür nutzt er die „Genschere“ genannte Technologie CRISPR/CAS und überträgt einzelne Gene von einer Sorte in die andere oder lässt sich mindestens inspirieren. Entstehen auf diese Weise „natürliche“ Pflanzen? Hoffie fragt zurück: Wie natürlich sind Kulturpflanzen? Dies sind ohnehin Pflanzen, die erst durch den Menschen das wurden, was sie heute sind. Erst hat der Mensch Auslese betrieben, dann Auslesezüchtung, schließlich die Mendelschen Regeln angewandt. Im Hintergrund geschah immer dasselbe: In den Pflanzen veränderte sich der genetische Code zufällig - und wir haben uns die Pflanzen herausgesucht, bei denen uns die Veränderung gefiel. Im Grunde aber haben wir früher dasselbe unpräzise und zufällig gesteuert gemacht, was wir heute genau und gewollt umsetzen können. Wir müssen nicht mehr Veränderungen im ganzen Genom hinnehmen, sondern können präzise vorhersagen, wo das passiert. Nebenbei: Wer schon immer wissen wollte, wie CRISPR/CAS funktioniert - reinhören!Zu Gast: Robert Hoffie, Doctoral Researcher @LeibnizIPK, Co-Founder @OekoProg
Sep 7, 2022
28 min

Sie haben ein paar Tonnen Kürbiskernproteinpulver übrig und suchen einen Abnehmer? Oder brauchen eine halbe Tonne „Natürliches Aroma Typ Bologna“? Leroma.de aus Düsseldorf kann möglicherweise helfen. Das Team des Startups rund um Gründerin Marina Billinger betreibt eine digitale Rohstoffbörse für die Lebensmittelbranche. Prominent auf der Plattform: Eine Überschussbörse, auf Rohstoffreste gleich tonnenweise gehandelt werden. Marina Billinger ist im Gespräch in dieser Folge von „Zukunft Bio E“So wie es in der Natur keinen Müll gibt, sondern immer nur Rohstoffe für den nächsten Produzenten, so stehen Rohstoffe immer nur aus der Perspektive eines einzelnen Unternehmens am Anfang. Mit der Brille der Bioeconomy betrachtet wird aus einer Rohstoffbörse schnell so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt von Kooperation und unternehmensübergreifender Zusammenarbeit. Das entspricht auch genau der Vision von leroma.de.Vernetzt arbeiten, dem weltweiten Hunger entgegenwirken, indem Rohstoffe für Lebensmittel bestmöglich genutzt werden, regionale Kreisläufe stärken und etablieren - das Team von leroma.de begreift seine Tätigkeit nicht nur als digitale Programmieraufgabe, sondern will ihren Beitrag leisten, das Feld einer nachhaltigen Bioökonomie Schritt für Schritt mit zu entwickeln.Zu Gast: Marina Billinger, CEO und Gründerin von leroma.de
Aug 31, 2022
25 min

4Gene bietet Geschmack nach Belieben. Das Startup ist eine Ausgründung der TU München. Gründer und Kopf Heimo Adamski berichtet bei „Zukunft Bio E“, wie es ihre Technologie erlaubt, natürliche Aromastoffe mit Lebensmitteln, Medikamenten oder Kosmetika zu verbinden. Für die Chemiker: Das Prinzip der Glykolisierung steht dahinter. 4Gene kann auf diese Weise genau festlegen, wie etwas schmeckt oder riecht – und wann diese Aromen freigesetzt werden. Beim Erreichen einer bestimmten Temperatur zum Beispiel ist das die Tiefkühlpizza, die – genau dann, wenn sie fertig ist – den Duft eines echten italienischen Steinofens verströmt. Aroma-Auslöser können auch andere chemische Reaktionen sein, wie beim Deo, das nach Stunden noch mit der Haut reagiert und neue Aromastoffe freisetzt, wenn die heute eingesetzten flüchtigen Aromastoffe längst verflogen sind. So kann die Wirkung auch 16 oder mehr Stunden halten. Das Muster ist immer wieder identisch: Wo sich natürlich Aromastoffe mit dem Trägerstoff verbinden, braucht es keine künstlichen Aromen mehr.Im Prinzip, so Heimo Adamski, könne man auf diese Weise Lebensmittel und Geschmäcker fast beliebig kombinieren. Allerdings konzentriere 4Gene sich auf das, was Kunden auch verlangten – und eine Bratwurst mit Vanillearoma gehöre dort eben nicht dazu.Es müssen auch nicht immer positive, schöne Düfte sein. Mit derselben Technologie kann ein Aufkleber auf einem Motor vor dem Überhitzen warnen – per Rauchgeruch bei einer definierten Temperatur. Dieselben Glykoside per Tropfen auf den Akku eines Smartphones geträufelt und trocknen lassen – schon macht das Smartphone per Geruch auf sich aufmerksam, noch bevor der Akku endgültig überhitzt. Heimo Adamski berichtet, wie er gemeinsam mit seinem Team solche Ideen entwickelt, wie sie an regelmäßigen „verrückten Freitagen“ jedes noch so abwegige Thema direkt an die Wand schreiben und so zu neuen Anwendungsfeldern kommen. Zu Gast: Heimo Adamski, Gründer und CEO 4Gene, 4gene.de
Aug 24, 2022
29 min

Die Aufgabe: Wir versenden Lebensmittel, Medizin, Laborware. Die Fracht soll gut geschützt und ebenso gut gekühlt werden. Die Lösung: Wir nehmen … nein, eben kein Styropor, sondern Stroh. Das ist die Mission von Patricia Eschenlohr und ihrem Unternehmen Landpack. Auf Strohbasis entstehen Verpackungen, die einfach ihren isolierenden Dienst tun – und hinterher könnten wir sie sogar einfach in den Garten werfen; sie verrotten vollständig binnen kürzester Zeit. Stroh ist ein lokal verfügbarer, biobasierter Rohstoff, im Überfluss vorhanden. Es gibt keinen Mangel an Stroh, die Frage ist eher: Was machen wir mit dem vielen Stroh? In China werden die Strohballen auf den Feldern direkt verbrannt, um das Stroh schnell genug loszuwerden.Styropor hingegen entsteht aus fossilen Rohstoffen, ist kaum zu recyclen. Es ist eben nur billig und verfügbar. Der weltweite Bedarf wächst, pro Jahr um rund 5%. Landpack hat eine Technik entwickelt, Stroh so zu falten, dass ohne weitere Zusatzstoffe stabile Isolierplatten entstehen. Die ersten Produkte sind noch in der heimischen Küche des Gründerpaars entstanden, inzwischen betreibt Landpack mehrere Fabriken. Status: Ausgelastet. Nur 1% des weltweiten Strohvorkommens wäre nötig, um Styropor vollständig zu ersetzen. Warum tun wir es nicht? Ein Thema sind die Kosten. Strohverpackungen sind so lange etwas teurer, wie wir nicht anfangen, die Nutzung fossiler Rohstoffe korrekt zu bepreisen. Derzeit verlagern wir die Kosten für CO2 auf die kommenden Generationen. Darum fordert Patricia Eschenlohr im Podcast erneut eine deutlich höhere – und damit angemessene – Bepreisung von CO2.Zu Gast: Patricia Eschenlohr, Co-Founder und CMO von Landpack, Sprecherin des Bioökonomierates Bayern.
Aug 17, 2022
23 min

Die Evolution hat in mehreren Milliarden Jahren die Fotosynthese hervorgebracht. Pflanzen ziehen mittels Solarenergie Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Tobias Erb und sein Team haben in den vergangenen zehn Jahren einen Weg gefunden, diesen Prozess um Größenordnungen zu beschleunigen. Tobias Erb ist Biologe und Chemiker, Professor an der Universität Marburg und Direktor des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie. Sein Traum: Stoffe unserer Wahl direkt in der Pflanze aus Kohlenstoff herstellen zu können.Die Fotosynthese auf Speed läuft heute im Labor. Mittelfristig, so das Bild der Forscher, können wir sie direkt in der chemischen Industrie nutzen. Langfristig könnte die modifizierte Fotosynthese auch in Pflanzen funktionieren. Dafür werden wir die Evolution anstupsen müssen, Pflanzen eine alternative biologische Realität anbieten, in der Erwartung, dass die Pflanzen sie selbst als überlegen erkennen und von sich aus übernehmen und integrieren.Kurzfristig wird diese Technologie uns nicht beim Kampf gegen die Erderhitzung helfen. Nur selbst wenn es uns gelingen sollte, in wenigen Jahren klimaneutral zu werden, haben wir das Problem des überschüssigen Kohlenstoffs in der Atmosphäre nicht gelöst. Der Mensch fügt dem Kohlenstoffkreislauf rund 10% CO2 hinzu; genau die müssen wir der Atmosphäre wieder entziehen.Zugleich gewinnen wir auf diese Weise eine neue Kohlenstoffquelle, abseits von Kohle, Gas und Öl. Ebenso spannend die Perspektive für die Landwirtschaft: Im Zuge der Industrialisierung haben wir den Ertrag auf den Flächen um den Faktor vier steigern können, Dünger und Züchtung sei Dank. Die modifizierte Fotosynthese lässt einen erheblich größeren Sprung möglich erscheinen. Allein damit können wir im großen Maßstab dazu beitragen, CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen.Zu Gast:Tobias Erb, Biologe und Chemiker, Professor an der Universität Marburg und Direktor des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie
Aug 10, 2022
24 min

Bioökonomie hätte schon vor 150 Jahren unsere Antwort auf die Herausforderungen der Moderne sein können. Stattdessen sind wir auf den fossilen Pfad abgebogen, den wir jetzt wieder verlassen wollen und müssen. Dabei kann Papier helfen, sagt Martin Zahel, Geschäftsbereichsleiter Fasern und Komposite bei der Papiertechnischen Stiftung. Papier ist zwar aufwendig in der Herstellung, aber pflanzenbasiert. Und wir sind in der Lage, Papiere schnell und in nahezu beliebigen Längen herzustellen. Wobei: Was wissen wir noch nicht über Papier? Beispiel Verpackung: Wie sorge ich dafür, dass ein Papier mit dem darin verpackten Inhalt zurecht kommt? Also weder durchtropft noch zerreißt. Beispiel Batterien: Wie sorge ich mit Papier dafür, dass Stoffe stabil getrennt gehalten werden? Innovation geschieht auch bei Papieren, denen man nicht mehr ansieht, dass sie Papier sind. Weil zum Beispiel Metallpulver zugesetzt ist und das Ergebnis Strom leiten kann. Oder dreidimensionale Formen bildet. Oder oder oder...Die Downside von Papier: Der hohe Ressourcenverbrauch bei der Herstellung. Die Upside: Die Pflanzenbasis, verbunden mit der Möglichkeit, die Fasern immer wieder aufzuweichen und neu zu Papier zu verarbeiten. Bis 2030, da ist Martin Zahel sicher, werden wir gerade bei Verpackungen Wandel sehen. Papier, das Folien verdrängt. Papier, das aussieht wie ein fester Schaum und Styropor verdrängt. Papier, das fest in Geräten verbaut ist. Zu Gast:Dr. Martin Zahel, Papiertechnische Stiftung, Geschäftsbereichsleiter Fasern und Komposite
Aug 3, 2022
22 min

Bluu macht Fisch, genauer: Bluu arbeitet daran, im Labor echten Fisch zu erzeugen. Das Lübecker Startup will denselben Wachstumsprozess in Gang setzen, der im Fisch abläuft und damit natürliche Fischzellen vermehren. Dr. André Schiefner ist Leiter der Zellkultur und Medienentwicklung bei Bluu. Er sagt: Was entsteht, ist technisch gesehen: Natürlich gewachsenes, echtes Fischfilet. Das nur eben nicht in einem Fisch gewachsen ist, der mit Schuppen, Kopf und Schwanz im Wasser schwimmt. Warum begnügen wir uns nicht mit dem Fisch aus dem Meer? Die Fischbestände im Meer sind heute schon vielfach überfischt. Die Meere können den Bedarf der Menschheit nicht mehr befriedigen, dabei wächst die Nachfrage immer weiter. Auch Aquakulturen können nur einen Teil der Probleme lösen - und schaffen zugleich neue, beginnend bei dem Einsatz von Antibiotika etc. Die Antwort von Bluu: Wir können Fischzellen auch im Labor vermehren und wachsen lassen. Um möglichst frühzeitig tatsächlich am Markt tätig zu sein, entwickelt Bluu erste Vorstufen wie Fischstäbchen u.ä.; bis das volle Filet von Lachs und Forelle auf den Markt kommt, werden noch ein paar Jahre vergehen. Mitte der 20er Jahre soll es so weit sein. Dann will Bluu eine regionale Produktion von Fischfilet und weiteren Fischprodukten aufgebaut haben. Dann entsteht Seefisch auch in der Alpenregion. Spannend ist das Thema Akzeptanz: Werden Menschen so einen Fisch wollen? Werden sie das Filet als gutes Lebensmittel anerkennen, als gleichwertig oder sogar besser? Immerhin darf man hier sicher sein: Dieser Fisch enthält weder Microplastik noch Antibiotika, wurde nicht um den halben Globus gefahren und muss auch nicht geschlachtet werden. Zu Gast: Dr. André Schiefner, Bluu, Leiter Zellkultur und Medienentwicklung
Jul 27, 2022
24 min

Schauen wir aus dem Fenster, sehen die meisten von uns: Beton. Darin: Stahl. Unsere bisherige Art zu bauen, ist für das Klima eine Katastrophe. Die Herstellung von Stahl und Beton setzt eine große Menge Treibhausgase frei. Bauen ist der größte verkannte Treiber der Klimakrise. Wie Algen dazu beitragen können, Baumaterialien zu revolutionieren und damit die Klimabelastung des Bauens erheblich zu reduzieren, darüber forscht Thomas Brück. Er ist Professor für Synthetische Biotechnologie an der TU München und leitet das dortige Algentechnikum. Brück ist überzeugt: Wir müssen nicht über Verzicht und Einschränkung sprechen. Was wir brauchen ist Forschung, Mut und Entwicklung. Die kleine Algenlösung im Bau: Die richtige Alge dem Beton beigemengt, verschließt die Alge automatisch die kleinen Haarrisse, die im Beton unweigerlich nach gewisser Zeit auftreten. Klassisch dringt hier Wasser ein und zersetzt den Stahl im Inneren. Das Haus, die Brücke, die Straße ist reif für den Abriss. Zumeist geschieht das, bevor der Beton lang genug steht, um klimapositiv zu werden. Mit der Algenbeimischung steigt die Lebensdauer von Betonbauten erheblich. Noch einen Schritt weiter geht die Entwicklung von Algen-Carbon. Carbon wird klassisch aus Erdöl hergestellt - stabil, aber fossil. Auch hier können Algen helfen: Aus Algen lässt sich ein Öl gewinnen, das ein ebenso stabiles Carbon abgibt wie mineralisches Erdöl. Ein biobasierter Ersatz für die Stahlbewehrung im Inneren von Betonbauten. Wer dazu noch auf Sand und Zement verzichtet und stattdessen Granit einsetzt, erhält ein Baumaterial, das alles kann, was heutigem Beton abverlangt wird. Ein neues Material, viel verfügbarer als Beton. Granit gibt es überall und wächst durch Magma von unten nach. Leichter ist es noch dazu. Damit lassen sich Bauteile im Nanometerbereich genau vorproduzieren und vor Ort zusammensetzen. Das Ergebnis sollten durchaus auch Hochhäuser sein. Die Piloten sollen noch vor der Mitte des Jahrzehnts gebaut werden. Zu Gast: Thomas Brück, Professor Synthetische Biologie, TU München und Mitglied des Nationalen Bioökonomierates.
Jul 20, 2022
25 min

„Kind, schmeiß nicht den Rohstoff weg!“ In der Natur gibt es das Konzept von „Müll“, den es zu trennen und vielleicht auch zu recyceln gäbe. Alles ist wertvoll, jeder Stoff Ausgangsstoff für den nächsten Akteur oder Verarbeitungsschritt. Bioökonomie ist die eigentlich natürliche Art, mit Materialien umzugehen und den Kreislauf der Natur abzubilden. „Wir können die gesamte Wirtschaft auf materialtechnischer Seite so umstellen, dass wir im Einklang mit der Natur arbeiten“, sagt Lars Börger, VP Renewable Polymers & Chemicals bei Neste im Gespräch mit Michael Carl.Die gute Nachricht: Auch wenn wir nicht viel Zeit haben, die fossilen Rohstoffe aus der industriellen Produktion herauszunehmen, Lars Börger sagt: Wir können das schaffen. Allerdings müssen wir dafür die Prozesse und vor allem Anlagen der chemischen Industrie weiter nutzen. Bis 2030 in großem Umfang neue Prozesse zu entwerfen und im globalen Maßstab neue Anlagen zu bauen, wäre illusorisch. Also müssen wir an die Ausgangsstoffe heran und die bisherigen fossilen Rohstoffe möglichst 1:1 ersetzen. Allerdings: Kohlenstoff brauchen wir schon. Woher also nehmen, wenn nicht tief aus der Erde? Lars Börger unterscheidet drei wesentliche Quellen. Die Biosphäre liegt am nächsten. Pflanzen erledigen den Job, Kohlenstoff aus der Luft zu filtern; von dort aus können wir ihn für chemische Ausgangsstoffe nutzen. Was auch immer davon hinterher wieder in die Atmosphäre gerät, schließt nur einen Kreislauf. Neben vielen anderen arbeitet auch Neste daran, auf diese Weise Grundstoffe für die Chemie bereitzustellen. Ebenso verfügbar als Kohlenstoffquelle: Die Technosphäre. Das ist die Eliminierung des kulturellen Konstrukts von „Müll“. Letztlich gibt es keinen Müll, sondern nur wertvolle Rohstoffe. Am weitesten entfernt ist die Atmosphäre als unmittelbare Kohlenstoffquelle. Will der Mensch die Prozesse, die in der Biosphäre die Pflanzen umsetzen, selbst durchführen, braucht er vor allem eines, nämlich Energie. Die ist teuer und nicht unbedingt verfügbar. Allerdings wirkt die Energie auch deshalb teuer, weil die Kohlenstoff-basierten Produkte viel zu günstig sind. So ist alles relativ. Lars Börger sagt: Es liegt nicht am Können, es liegt auch nicht unbedingt am Wollen. Was uns fehlt, ist eine Art koordiniertes Wollen. Ein strukturierter Übergang von der fossilen Kohlenstoff-Welt in die post-fossile Zeit. Hierfür den Rahmen zu setzen, ist auch eine politische Aufgabe. Zu Gast: Dr. Lars Börger, VP Renewable Polymers & Chemicals, Neste
Jul 13, 2022
26 min
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