
Warum ist es für weisse Menschen eigentlich so schwer, in Gesprächen zu dem Thema Rassismus einfach mal nur zuzuhören? Weisse Menschen fühlen sich viele in diesen Gesprächen oft nicht wohl und haben manchmal das Beduerfnis, Rassismus mit eigenen Diskriminierungserfahrungen gleichzusetzen. Darueber hinaus machen schwarze Menschen andauernd die Erfahrung, dass weisse Menschen ihnen Rassimsuserfahrungen absprechen, als haben sie sich das alles nur eingebildet.
Saron Tsegaye kennt diese Momente, die sie in dieser Podcastfolge mit uns teilt. Sie ist seit 3 Jahren Mitglied in unserem Verein Bridging Gaps. Sie kommt aus Konstanz und studiert ab September Internationales Business und interkulturelles Management in Karlsruhe. Sie teilt ihre Erfahrungen zu folgenden Thema mit uns:
- Warum es schwer aber wichtig ist, als weisse Person mal nur zuzuhören
- Inwiefern es weissen Menschen schwer fällt, strukturellen Rassismus nachzuvollziehen
- Wie wir das Konzept der Deutungsmacht verstehen können und inwiefern es in Zusammenhang mit Rassismus steht
- Was es bedeutet, eine Stimme in der Gesellschaft haben und warum nicht alle Stimmen gleich gehört werden
- Woran weisse Menschen arbeiten können, um gesellschaftliche Strukturen besser zu verstehen und überlegter mit gefühlten Konflikten in Bezug auf ihr Weissein umzugehen können
Oct 26, 2020
43 min

Warum erleben wir als weisse Menschen eigentlich so viel Anspannung und Stress wenn wir mit dem Thema Rassismus in Berührung kommen? Und warum kommen in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Weisssein so viele negative Emotionen auf, wie Furcht, Schuld, Wut, Verzweiflung oder auch Traurigkeit?
In diesem Impuls möchte auf die häufigsten Emotionen eingehen, die für weisse Menschen unmittelbar mit dem Sprechen über Rassismus in Zusammenhang stehen und euch Tipps geben, wie wir mit unseren Emotionen umgehen können, damit sie uns nicht abschrecken, sondern uns ermutigen, in dem Prozess zu bleiben
Es ist ganz normal, dass wir als weisse Personen viele intensive Emotionen erleben, wenn wir uns mit unserem Weissein auseinandersetzen. Diese Emotionen können uns schnell überfordern, besonders, wenn wir sie nicht erwartete oder uns nicht darauf eingestellt haben.
Oct 18, 2020
16 min

This podcast is in English.
The African concept of Ubuntu teaches us that we are only human beings because of our inter-connectedness to other human beings. Our humanity (or human being) is mostly a copy and paste of the general humanity (or human being) of other human beings, we live in communities with. As such, in order to secure and keep secured our own humanity (or human being) we must secure and keep securing the humanity (or human being) of others with who we are in members of communities with.
Ubuntu promotes the philosophy that the attributes we puzzle together to form our own humanity (or human ‘be-ing’) comes from the collective attributes of the communities we form a part of. For example, this means that you can only develop a sense of love if an ethic love is expressed within the community you are a member. Ubuntu as a way of life has the potential to transform how we live together and to change societal structures in relation to race and gender among others.
This podcast is in English because it was most important to us to speak to an expert on the topic of Ubuntu. Rantsho Moraka lives in South Africa and works as a lawyer in Johannesburg. He has teaching and conference experience in race and feminist studies and taught Legal Philosophy at the University of Pretoria. He published on topics of gender, film and social justice and has been thinking extensively about Ubuntu from a theoretical and practical approach.
We discussed the following topics:
- What does the concept of humanity or Ubuntu mean?
- How different would our communities and societies look if we lived by the philosophy of Ubuntu?
- In your opinion, how has racism attacked the humanity of individuals?
- How can white people reconnect with a sense of humanity in this world?
- In the past, we have excluded and oppressed black people and other members of society for different reasons. What can we do now to address these injustices and ensure that all individuals become members of our communities and societies?
Oct 11, 2020
38 min

Was Weißsein ausmacht wird seit Jahrhunderten von schwarzen Menschen beobachtet und wo möglich auch artikuliert, z.B. in Sprichwoertern oder Literatur. Viele weisse Menschen können gar nicht glauben, dass sie von schwarzen Menschen beobachtet und analysiert werden. Bell Hooks beschreibt diesen kritischen wie folgt:
Socialized to believe the fantasy, that whiteness represents goodness and all that is benign and non-treatening, many white people think this is the way black people conceptualise whiteness. They do not imagine that the way whiteness makes its presence felt in black life, most often as terrorizing imposition, a power that wounds, hurts, tortures, is a reality that disrupts the fantasy of whiteness as representing goodness.
Über den umgekehrten Blick habe ich mit Marlene Gaertner gesprochen. Sie ist Gründungsmitglied unseres Vereins Bridging Gaps und hat jahrelange Erfahrung in der politischen Bildungsarbeit mit Fokus auf gesellschaftlichen Ungleichheiten, Rassismus und kritischem Weißsein. Sie promoviert an der Uni Konstanz zu dem Thema wie Migration im Alltag erzählt wird und wie die Vorstellungen vom Leben anderswo globale Machthierarchien und oft auch koloniale Denkmuster widerspiegeln.
Wir haben folgende Themen besprochen:
- Was wir unter dem umgekehrten Blick verstehen können und welche Rolle weisser Terror spielt.
- Warum manche weisse Menschen in afrikanischen Ländern mehr Wert auf ihr Erscheinungsbild legen als z.B. in ihrem Umfeld in Deutschland.
- Inwiefern Weißsein für Menschen in afrikanischen Ländern relevant ist und auf welchen unterschiedlichen Ebenen es sich im Alltag äußert.
- Wie Weißsein in afrikanischen Ländern wahrgenommen wird und welche Vorstellungen vorherrschen.
- Inwiefern die Wahrnehmung von weissen Menschen von große Ambivalenzen geprägt ist und zwischen tiefem Misstrauen bis hin zu Faszination schwankt?
Refererenzen:
Bell Hooks: Representing whiteness in the black imagination
Francis Nyamnjoh Artikel , Whiteman Kontri and the enduring allure of modernity among Cameroonian youth, 2002
Oct 5, 2020
52 min

Medien, wie Filme, Musik, Bücher oder auch Werbung spielen eine wichtige Rolle in dem Prozess der Identitätsbildung von Kindern und Jugendlichen aber beeinflussen uns auch als Erwachsenen. Wir sind nicht nur Konsumenten, sondern durch die sozialen Medien selbst auch Produzenten. Dabei sind wir uns oft nicht bewusst, inwiefern wir sexistische und rassistische Stereotype reproduzieren.
Die folgenden Themen habe ich mit Grace Alele besprochen. Sie ist aus Konstanz und seit 3 Jahren aktiv bei Bridging Gaps e.V.
- Warum eine stärkere Repräsentation von schwarze Menschen in den Medien nicht automatisch bedeutet, dass rassistische Diskriminierung überwunden ist.
- Inwiefern die Werbung ganz subtil rassistische Stereotype reproduziert.
- Warum wir auch in Filmen über Freundschaften oder Liebe ganz unterbewusst sexistische oder rassistische Botschaften erlernen.
- Dass wir eben nicht frei entscheiden können, ob wir uns von den Medien beeinflussen lassen möchten.
- Inwiefern die Medien von Geld und kapitalistischen Interessen beeinflusst werden.
Referenzen
Michelle Alexander, The New Jim Crow; The New Jim Crow: Mass Incarceration in the Age of Colorblindness, 2010
Oct 5, 2020
30 min

Ab 2 Jahre beginnen Kinder Unterschiede in Geschlecht und Hautfarbe wahrzunehmen; zunächst wertfrei aber Kinder lernen schnell, dass sie mit heller Haut in Deutschland in der Mehrheit sind. Mit 2 ½ lernen Kinder, welche Hierarchien es gibt und welche gesellschaftliche Anerkennung damit einhergeht und weisse Kinder merken, dass sie in dominanten Position in Bezug auf Hautfarbe sind. Das bestärkt Gefühl von „Normalsein“, ein Gefühl, das sich für weisse Menschen durch das ganze Leben zieht und unsere Identität prägt.
Zu diesem Thema habe ich mit Nadine Segadlo gesprochen. Sie ist Bridging Gaps Mitglied seit 2015 und hat an der Umsetzung verschiedenster Projekte vor allem in Deutschlandarbeit des Vereins gearbeitet. Sie arbeitet am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und beschäftigt sich mit dem Friedensverständnis und friedensbezogenen Praktiken geflüchteter Menschen in Ostafrika.
Wir haben folgende Gedanken diskutiert
- Wann hast du das erste Mal bemerkt, dass du weiss bist? Kannst du dich daran erinnern? Wie hat sich das für dich angefühlt?
- Hattest du denn vor dem Freiwilligendienst gar keine Berührungspunkte mit schwarzen Menschen oder dem Thema Rassismus?
- Mit welchem Alter und wie lernen weisse Kinder eigentlich, dass sie weiss sind?
- Schwarze Eltern legen oft viel Wert darauf, dass ihre Kinder verstehen, was es bedeutet schwarz zu sein, sich damit identifizieren und stolz darauf sind. Inwiefern ist das bei weissen Eltern anders?
- Hast du eine Idee, welche Prozesse dazu beitragen, dass auch wir als weisse Personen in Deutschland blind gegenüber den Privilegien unseres Weisssein bleiben?
Referenzen
Tupoka Ogette (2017). Exit Racism. Rassismuskritisch denken lernen. Unrast-Verlag: Münster.
Peggy McIntosh. White Privilege. Unpacking the invisible knapsack. Available from https://www.racialequitytools.org/resourcefiles/mcintosh.pdf
Sep 21, 2020
41 min

Das feministische Konzept der Intersektionalität ist ein theoretischer Rahmen und ist ein Ansatz, die Beziehung zwischen verschiedenen Arten unfairer Diskriminierung zu verstehen und diese zu artikulieren. Intersektionalität hilft uns dabei, unsere Erfahrungen mit unfairer Diskriminierung genau so zu verstehen wie sie und als Individuen betreffen - auf ganzheitliche und integrierte Weise und nicht als getrennte und unabhängige Themen in Bezug auf Rassismus, Sexismus, soziale Klasse usw.
Die Idee der Intersektionalität habe ich mit Johanna Siebert besprochen. Johanna ist 25, hat 2014/15 einen Freiwilligendienst in Ghana gemacht und absolviert derzeit ihren Master in Globaler Politischer Ökonomie in England. Mit Bridging Gaps e.V. hat Johanna unser jüngstes Projekt koordiniert – eine Broschüre zu Macht, Ungleichheit und sozialer Gerechtigkeit, geschrieben von ehemaligen Teilnehmenden des Jugendaustauschs aus Deutschland und Südafrika. Unter dem Rahmenkonzept der Intersektionalität, behandelt die Broschüre unterschiedlichen Themen wie z.B. Rassismus, Sexismus und Othering. Sie ist kostenlos über unsere Webseite verfügbar: https://www.bridginggapsev.com/de/broschuere-zwischenraume/
Wir haben folgende Fragen besprochen:
- Was man unter Intersektionalität versteht und inwiefern uns der Ansatz hilft, unsere gesellschaftliche Position besser zu verstehen?
- Wann uns aufgefallen ist, dass es eine große Rolle spielt, wie unsere Mitmenschen uns wahrnehmen?
- In welchen gesellschaftliche Bereiche oder Bewegungen Intersektionalität eine besonders wichtige Rolle spielt
- Wie Intersektionalität Klarheit in die komplexen Diskussionen über gesellschaftliche Ungleichheiten bringt anstatt sie komplizierter zu machen
- Was unsere Position in der Gesellschaft sowie unsere Identität für uns bedeuten und wie diese in Verbindung stehen. Und warum unsere gesellschaftliche Position nicht unseren Charakter bestimmt
Sep 18, 2020
42 min

Die Idee, dass wir anstelle von Rassismus von weisser Vorherrschaft sprechen sollen wird von vielen WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Ländern der Welt vertreten. Sie sind alle der Meinung, dass das Konzept der weissen Vorherrschaft die Strukturen in unserer Gesellschaft besser beschreiben, da es spezifischer und greifbarer ist, um das Verhältnis und das bestehende Machtverhältnis weisser Menschen zu People of Colour zu beschreiben.
Der Begriff „weisse Vorherrschaft“ bezieht sich auf die bestehenden Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft und ist damit breiter als rassistische Diskriminierung.
Diese Woche habe ich mit Khathutshelo Muthivhi gesprochen. Khathu hat einen Bachelor of Arts in Jugendentwicklung von der Universitaet in Venda, Suedafrika. 2007 ist er fuer ein Auslandssemester an die evangelische Hochschule in Freiburg gekommen und hat sich 2010 entschieden, nach Deutschland zu ziehen. Er arbeitete lange als Sozialarbeiter und nun als Integrationsmanager. Er ist verheiratet, hat 3 Kinder und ist Autor des Buches „Liebe kennt keine Grenzen“.
Wir haben folgende Fragen diskutiert:
- Noah Sow schrieb schon in ihrem Buch Deutschland Schwarz Weiss, dass Rassismus kein Schwarzes, sondern ein weisses Problem ist. Wie können wir das verstehen?
- Warum ist es wichtig, dass sich weisse Menschen als Teil des Problems sehen, wenn sie über Rassismus sprechen?
- Welche Vorstellungen weisse Menschen in Bezug auf Rassismus haben und warum es gerade weissen Deutschen so schwer, Rassismus in ihrer Gesellschaft zu erkennen und darüber zu sprechen?
- Gibt es noch weitere falsche Vorstellungen, die weisse Menschen in Bezug auf Rassismus haben?
- Warum fällt es gerade weissen Deutschen so schwer, Rassismus in ihrer Gesellschaft zu erkennen und darüber zu sprechen?
- Am Ende jeder Folge frage ich meine Gäste noch worüber wir ihrer Meinung nach in Bezug auf Weißsein noch viel mehr sprechen sollten.
Zum Abschluss noch ein Gedanke von Bell Hooks:
"Wenn wir uns nicht bewusst bemühen, Denken und Handeln zu ändern, indem wir ehrlich alle Arten benennen, wie die weisse Vorherrschaft das tägliche Leben beeinflusst, können wir nicht von einer Politik des Hasses abweichen und eine neue Gesellschaft Grundlage schaffen, die auf Liebe basiert."
Sep 6, 2020
36 min

Die Tatsache, dass die meisten weissen Familien nicht über Rassismus sprechen, lehrt weisse Kinder, das Weißsein nicht als Teil ihrer Identität zu ignorieren. Folglich erkennen verstehen weisse Menschen ihre Privilegien nicht, weil sie diese als normal betrachten. Weisse Eltern, die „farbenblind“ sein möchten und ihren Kindern sagen, dass sie die Hautfarbe anderer nicht sehen sollen, lassen sie glauben, dass die Hautfarbe von Menschen ein Problem sein könnte. Doch Rassismus ist das Problem! Dies macht es unglaublich schwierig für weisse Menschen, Rassismus aufzudecken und folglich dagegen anzukämpfen. Weisse Menschen, die Rassismus für ein schwarzes Thema halten, verpassen nicht nur die Gelegenheit, sich aktiv dagegen einzusetzen, sondern übernehmen auch keine Verantwortung für eine Vergangenheit und Gegenwart, von der sie allein aufgrund ihrer Hautfarbe profitiert haben.
Dieses Thema habe ich mit Saron Tsegaye diskutiert. Saron ist seit 3 Jahren Mitglied in unserem Verein Bridging Gaps. Sie kommt aus Konstanz und studiert ab September Internationales Business und interkulturelles Management in Karlsruhe.
Wir haben folgende Gedanken diskutiert:
- Warum Kinder Unterschiede sehen und, wie Erwachsene, gar nicht in der Lage sind, alle Menschen gleich zu
- Wieso viele Eltern fälschlicherweise denken, dass ihre Kinder gar nicht erkennen, ob jemand weiss oder Schwarz ist oder frei von Rassismus sind
- Welche Bilder und rassistischen Ideen Kinder im Kindergarten, in der Schule oder aus den Medien und Kinderbüchern lernen
- Was Eltern tun können, um zu vermeiden, dass sich rassistischen Ideen, Bildern und Ideologien in ihren Kindern verfestigen
Am Ende jeder Folge frage ich meine Gäste noch worüber wir ihrer Meinung nach in Bezug auf Weißsein noch viel mehr sprechen sollten.
Aug 30, 2020
43 min

Mit dem Podcast möchten wir einen Beitrag leisten, euch auf der Reise der persönlichen Weiterentwicklung begleiten. Doch was meine ich, wenn ich von persönlichem Wachstum sprechen? In diesem Impuls werde ich darauf eingehen, wie wir authentisch als im Einklang mit unseren Werten und Überzeugungen leben können. Dabei werde ich genauer beschreiben, warum das besonders in Bezug auf das Weisssein so wichtig und gleichzeitig so herausfordernd ist.
Ich werde darauf eingehen, warum ihr euch von dem ersten Schock und euren negativen Emotionen nicht abschrecken lassen solltet, sondern daraus Motivation schöpfen könnt. Dabei möchte ich euch ermutigen, in dem ganzen Prozess sehr viel Verständnis und Mitgefühl für euch selbst aufzubringen.
Zusätzlich zu unseren Folgen werden wir regelmäßig Impulse hochladen, in denen wir auf eure persönlichen Herausforderungen und euern emotionalen Prozess in der Auseinandersetzung mit eurem Weisssein begleiten möchten. Wir hoffen, dass ihr euch durch die Impulse mit den Geschichten und Erfahrungen anderer weisser Menschen in einem ähnlichen Prozess identifizieren könnt und dadurch mit euren Herausforderungen verstanden fühlt.
Aug 26, 2020
17 min
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