
„Die toxische Beziehung zu meiner Mutter – und wie ich lerne loszulassen“ – so lautet der Untertitel des Buches von Franziska Hohmann. Ein Titel, der zunächst hart und eindeutig wirkt. Und doch sagt sie heute: „Ich weiß jetzt, dass sie auch in ihren guten Zeiten eine schwerkranke Frau war.“ Im Gespräch mit Eric erzählt sie offen, schonungslos und zugleich mit großer Klarheit von ihrer Kindheit mit einer schwer depressiven Mutter. Eine Beziehung, die von Anfang an belastet ist – geprägt von Distanz, Brüchen und dem Aufwachsen bei Pflegeeltern und Großeltern. Die Krankheit der Mutter wirkt weit über die Kindheit hinaus und prägt auch Franziskas eigenes Leben bis ins Erwachsenenalter – bis hin zur eigenen Alkoholabhängigkeit. Und dennoch entwickelt sich aus dieser Geschichte etwas, das zunächst nicht erwartbar ist: ein vorsichtiges, ehrliches Loslassen. Heute arbeitet Franziska Hohmann als systemischer Coach und begleitet andere Menschen in Veränderungsprozessen, die oft genau dort beginnen: bei der eigenen Geschichte.
Mar 25
37 min

Der österreichische Kulturwissenschaftler und Philosoph Thomas Macho beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Ende des Lebens, dem Sterben und Suizid. Dabei versucht er immer eine beobachtende und nicht wertende Position einzunehmen und kann durch seine Studien sehr genau beschreiben, wie sich unser gesellschaftlicher und kultureller Blick aufs Sterben und den selbstgewählten Tod verändert hat. Ein Gespräch über die neue Sichtbarkeit des Todes, die Vielfalt des künstlerischen Umgangs damit und unser Verhältnis zum Suizid.
Dazu gibt es jede Menge Literatur- und Film-Empfehlungen in dieser Folge:
Milena Michiko Flasar: Oben Erde, Unten Himmel (Roman)
Thomas Macho: Das Leben nehmen
Susana Monsó: Das Schweigen der Schimpansen: Wie Tiere den Tod verstehen
Clive S. Lewis: Über die Trauer
Filme:
Hamnet – Regisseurin Chloé Zhao
Jenseits des Glaubens (Freud’s Last Session) – Regisseur Matthew Brown
Shadowlands – Regisseur Richard Attenborough
Feb 18
42 min

Alles, was wir im Leben machen, können wir im Nachhinein noch mal reflektieren oder besprechen, nur das Sterben nicht. Trotzdem machen sich viele Menschen eine Illusion davon. Wie auch im Leben, so wollen sie auch im Sterben „alles richtig machen“. Die Soziologin Dr. Irmhild Saake von der Universität München forscht seit vielen Jahren zum Bild unserer Gesellschaft über das „gute Sterben“ und sie wünscht sich, dieses Ideal wieder etwas zu relativieren. Damit möchte sie den Sterbenden, den Familien und auch den Pflegekräften den Druck nehmen, selbst diesen letzten Schritt in unserem Leben noch optimieren zu wollen. Ein Gespräch darüber, dass sich niemand mit dem Sterben auseinandersetzen sollte, der das nicht will und dass es dann eben doch meist anders kommt als wir es uns gewünscht haben und wir sicher sein können, dass es am Ende immer „richtig“ ist.
Dec 16, 2025
37 min

Als Zukunftsforscher blickt Matthias Horx seit vielen Jahrzehnten auf kulturgesellschaftliche Veränderungen und den Wandel. Trauerkultur ist ihm dabei ein wichtiges Anliegen. Sein Institut hat unter anderem mit dem „Campus Vivorum“ gemeinsam mit Institutionen und Verbänden einen experimentellen Friedhof der Zukunft entwickelt, einen heilsamen Ort für Trauer. Horx hält solche Orte, also den Raum für Trauer für äußerst wichtig, auch wenn sich der Umgang mit Tod und Trauer in unserer Gesellschaft bereits sehr verändert hat.
Ein Gespräch über Individualität und Intimität von Tod und Trauer und darüber, dass wir unsere Humanität verlieren, wenn wir nicht mit Verlusten umgehen und sie integrieren können. „Trauer ist eine existentielle Gesundheitsoperation des Menschen. Wir werden krank, wenn wir nicht trauern können.“
Link: Family-Horx - Horx Future GmbH
Nov 6, 2025
42 min

"Pfützen springen" so kann man das Trauerverhalten von Kindern umschreiben: Wie in Pfützen springen sie in die Trauer hinein und wieder heraus, sind gerade noch traurig und gleich wieder fröhlich. Romy Alinsky betreut dieses Projekt in Berlin, dessen Ziel es ist mit kleinen Kindern über Verluste, Tod und Trauer zu sprechen, damit sie einen realistischen Blick auf Trauer bekommen, fern ab vom Zugang durch Medien zum Thema Trauer. Das kann dann auch Erwachsenen helfen, mit ihren Kindern angstfreier und offener über Tabu Themen wie Sterben, Beerdigung oder Trauer zu reden. Ihr Plädoyer: "Traut euch, das Thema in euer Leben miteinzubeziehen." Ein Gespräch über wunderbare Kinderfragen, Trauerbegleitung, Endlichkeit und die Unmöglichkeit, sich auf die Trauer nach Verlust richtig vorzubereiten.
https://www.johanniter.de/pfuetzen-springen-berlin
Buchempfehlung: Christiane zu Salm - Dieser Mensch war ich
Oct 2, 2025
39 min

Wie verarbeitet eine Tochter den Tod des Vaters, der nie anwesend war? Wie betrauert man einen Menschen, zu dem es keine Beziehung gegeben hat? Und hätte man nicht vielleicht doch gern diese Verbindung gehabt? Mit diesen Fragen sah sich die Sängerin Balbina im vergangenen Jahr plötzlich konfrontiert als ihr Vater starb, zu dem sie nie Kontakt hatte. Sie nutzte ihre Kunst – die Musik – um der Trauer Raum und Worte zu geben und schrieb das Lied „Vatertag“.
Balbina ist dankbar für diese Möglichkeit der Trauerarbeit, die ja nicht alle Menschen haben, die ohne Elternteil aufgewachsen sind und sich durch die Todesnachricht mit der Abwesenheit des Vaters oder der Mutter noch einmal auseinander setzen müssen. Mit Eric redet sie über die Ohnmacht, die sie zunächst gespürt hat und die vielen Fragen, die sie an ihren Vater noch gehabt hätte. Ihr Album „Infinity Tunes“ war ihr Ventil, um den Verlust und die Trauer zu verarbeiten und letztendlich auch loslassen zu können.
Ein Gespräch über Vaterlosigkeit, Scham, verpasste Chancen, aber auch über Leichtigkeit, Befreiung und eine ganz besondere Art der „Bestattung“.
Sep 4, 2025
40 min

Der Dokumentarfilm "Eternal You - Vom Ende der Endlichkeit" von Hans Block und Moritz Riesewieck zeigt sehr beeindruckend, wie mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) versucht wird eine "Verbindung mit Toten" herzustellen. StartUps schaffen digitale Avatare, um Trauernden auf unterschiedlichen Wegen die Möglichkeit zu geben mit Verstorbenen zu kommunizieren, ohne die Folgen dieser Art der Trauerbewältigung im Blick zu haben. Eric spricht mit Moritz Riesewieck darüber, was passiert, wenn der Traum von der Unsterblichkeit in ein Produkt verwandelt wird, das möglichst lange weiter "leben" soll und wie schnell Menschen bereit sind, an die Menschlichkeit von KI zu glauben. "Eternal You - Vom Ende der Endlichkeit" ist noch in der arte Mediathek abrufbar und unter diesem Link findet ihr noch weitere Beiträge von Hans und Moritz, die nicht im Film vorkommen. https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/geschaeft-mit-der-verzweiflung-eine-mutter-chattet-mit-einer-ki-simulation-ihrer-toten-tochter
Jul 3, 2025
47 min

Der Buchtitel „Gottlos glücklich: Warum wir ohne Religion besser dran wären“ fasst bestens zusammen, wofür sich der Autor Philipp Möller einsetzt. Er ist im Vorstand des Zentralrats der Konfessionsfreien und möchte den Einfluss der Kirchen auf Gesellschaft und Politik begrenzen, denn mittlerweile ist nur noch ein sehr geringer Teil der Bevölkerung Kirchenmitglied oder religiös. Dabei geht es Philipp Möller nie um die persönliche Religiosität, denn jede/r soll den Glauben ausleben dürfen, sondern um die Politik, die an althergebrachten Kirchenprivilegien festhält.
Ein Gespräch über das Bedürfnis nach Glauben, die gottlose Buskampagne, kirchliche Beerdigungsvorschriften, die Angst vor dem Sterben und die Unantastbarkeit der Würde des Menschen.
May 28, 2025
48 min

Unser heutiger Gast ist die ausgebildete Krankenschwester Franka Mantei. Warum diese Ausbildung sie perfekt für den Beruf der Tatortreinigerin vorbereitet hat erzählt sie Eric in dieser Folge. Für ihre Arbeit benötigt sie medizinische, mikrobiologische, aber auch besondere psychologische Fähigkeiten. Ein Gespräch über Todesumstände, Tabus, Schicksale und die Wertschätzung für ihren Beruf, ihre Unterstützung bei schwierigen Todesfällen.
Apr 24, 2025
30 min

2019 starb seine vierjährige Tochter nach jahrelanger, unheilbarer Krankheit. Ein Verlust, der alles verändert. Wie hält man so einen Schmerz aus? Wie lebt man weiter, wenn das Unvorstellbare passiert? Berni Mayer spricht darüber – in seinem Buch und in unserem Gespräch. Unglaublich offen, unglaublich ehrlich und mit einer Nähe, die berührt. Er erzählt nicht nur von der tiefsten Trauer, sondern auch von der Liebe, die bleibt. Von Momenten der Hoffnung, der Erinnerung und dem, was wirklich zählt. Ein Gespräch über den Umgang mit Verlust, darüber, was Trauer mit uns macht – und wie sie uns, trotz allem, weiterträgt.
Mar 20, 2025
41 min
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