
In dieser Folge tauchen wir in eine Geschichte ein, die mit einem Andy-Warhol-Zitat beginnt und sich über die Jahre zu einer Liebesgeschichte entwickelt hat: zwischen Menschen und Büchern, aber auch zwischen Eveline Wüthrich und Johannes Willi. Seit 15 Jahren organisieren die beiden die Kunstbuchmesse «I Never Read». Während der Art Basel versammeln sich dort Buchliebhaber:innen, Verlage und Künstler:innen, um Bücher zu betrachten, zu besprechen und zu erwerben.
Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums durchstöbern wir mit den beiden Gründer:innen ihr Archiv. Gemeinsam packen wir eine Tasche voller Flyer, Kataloge, Sticker und Schallplatten aus und erzählen dabei die Geschichte der Art Book Fair: von den Anfängen in einem Basler Hinterhof, über die vielen Jahre in der Kaserne Basel, bis hin zur diesjährigen Ausgabe im «Basel Social Club» im leerstehenden Aubildungszentrum der UBS.
Das Gespräch hat live vor Ort stattgefunden und wurde von der hauseigenen Temporary Radio Station aufgenommen. Reinhören lohnt sich für alle, die sich für Publishing, Selbstorganisation und Grafikdesign interessieren.
Jul 31
45 min

Das Grafik Design Duo Coline Sunier & Charles Mazé wurde 2026 vom Bundesamte für Kultur (BAK) mit dem Jan Tschichold Preis ausgezeichnet. Dieser wird jährlich an Personen oder Institutionen für herausragende Leistungen in der Buchgestaltung verliehen.
Während der Ausstellung der Schönsten Schweizer Bücher im Helmhaus Zürich haben wir mit Coline Sunier und Charles Mazé anhand von drei Publikationen über ihren Zugang zu Typografie und Buchgestaltung gesprochen. Die besprochenen Publikationen zeigen, wie Grafikdesign als Forschung, Archivarbeit und kollaborative Praxis funktionieren kann: ein typografisches Alphabet aus dem Pariser Vorort Brétigny-sur-Orge, ein monografischer Katalog über die Keramikerin und Bildhauerin Valentine Schlegel, und ein Buch über Reform-Pädagogik in Frankreich.
Das Gespräch bewegt sich zwischen Feldforschung und Archiv, zwischen Strassenschildern und mittelalterlichen Petroglyphen, zwischen «Je dors» und «Je travaille» und der Frage: Welche Erkenntnisse lesen wir in den Zeichen, die uns hier und jetzt umgeben.
Jun 26
35 min

An der 19. Architekturbiennale in Venedig 2025 zeigte das Königreich Bahrain ein Projekt mit dem Titel Heatwave. Nicht nur wurde der Beitrag mit dem Goldenen Löwen für den besten Pavillon prämiert – auch der dazu erschienene Katalog wurde ausgezeichnet: sowohl beim Wettbewerb der schönsten Schweizer Bücher als auch bei den Schönsten Büchern aus aller Welt.
Die bahrainer Architektin und Urbanismusforscherin Wafa Al-Ghatam war Teil des kuratorischen Teams. Mit ihr sprechen wir über den Einfluss der enormen Hitze auf die Architektur und Städteplanung in Bahrain, aber auch welche sozialen Veränderungen die Klimaanlage mit sich brachte.
Im zweiten Gespräch erzählt uns Larissa Kasper, Grafikerin aus St. Gallen, wie aus einem begrenzten Budget und der Wahl eines holzhaltigen Papiers ein Katalog entstanden ist, dessen Cover langsam verblasst, wie sie im Team arbeitet und warum an gewissen Stellen des Katalogs die venezianische Renaissance durchschimmert.
May 29
54 min

Die US-amerikanische Künstlerin Sheila Hicks (*1934) hat sich über sechs Jahrzehnte hinweg immer wieder neu erfunden: von der Arbeit im Kontext des textilen Kunsthandwerks hin zu einer international renommierten zeitgenössischen Künstlerin. 2023 zeigte das Kunstmuseum St. Gallen in der Lokremise eine umfassende Einzelausstellung mit dem Titel «a little bit of a lot of things». Das gleichnamige Buch erschien zwei Jahre später und ist weit mehr als ein Ausstellungskatalog.
Mit dem dem Kurator und Direktor des Kunstmuseums St. Gallen Gianni Jetzer haben wir einerseits darüber gesprochen, wie ein Museum lokale Themen mit internationaler Kunstgeschichte verweben kann, andererseits darüber, wie enge Freund:innenschaften die Entstehungsprozesse von Ausstellungen beflügeln können.
Im Gespräch mit den Gafiker:innen Jana Liebe und Jonas Vögeli (Hubertus Design, Zürich) erhielten wir zudem Einblick in den zweijährigen Entstehungsprozess und wie sie vorgegangen sind, um die Stofflichkeit von Hicks' Werk in ein Buch zu übersetzen.
May 1
1 hr 3 min

Was passiert, wenn Kinder auf ihrer eigenen Schule klettern können? Der Schweizer Künstler Florian Graf hat für den Pausenplatz des Hofacker Schulhauses in Zürich drei Steinmodelle der Schulgebäude im Massstab 1:20 gebaut: aus Muschelkalk, begehbar, bespielbar. Das dazugehörige Buch School Models (2025) dokumentiert dieses Kunst- und Bauprojekt. Wir sprechen mit Florian Graf über Architektur, die Verschiebung von Dimensionen, Pädagogik und die Frage, was länger bleibt – das Original oder das Modell. Ausserdem zu Gast: das Grafik-Studio A Language (Martin Stoecklin & Melina Wilson). Mit Ihnen sprechen wir über die Kultur von Glitches, den Archetyp von einem Buch und gewünschte Störfaktoren in der Gestaltung.
Mar 27
52 min

In dieser Episode von «nicht nur schön» nähern wir uns dem Werk des japanischen Architekten Kazuo Shinohara (1925–2006) anhand von vier Büchern, die vom Schweizer Architekt:innen-Duo Christian Dehli und Andrea Grolimund herausgegeben wurden. Gestaltet wurden sie allesamt vom Zürcher Büro Elektrosmog. «Three Houses» porträtiert drei ikonische Gebäude aus drei verschiedenen Stilepochen: das House in White (1966), das House in Uehara (1976) und das House in Yokohama. «View from this Side» hält im Taschenbuch-Format fotografische Notizen von Shinoharas Reisen durch Nordamerika, Nordafrika und Europa (1972–1985) fest. «The Umbrella House Project» dokumentiert die Geschichte eines Shinohara-Hauses, das vom Abriss gerettet wurde und auf den Vitra Campus in Weil am Rhein ein neues Zuhause fand.
«Residential Architecture» ist die erste vollständige englische Übersetzung von Shinoharas Text zu japanischer Wohnarchitektur, der 1964 im Original erschien.Mit den Herausgeber:innen und dem Grafiker Marco Walser sprechen wir über das Verständnis von Architektur durch das Nachzeichnen von Plänen, Fotografie als Entwurfspraxis und Shinoharas eigene Behauptung, ein Haus sei ein Kunstwerk.
Feb 27
1 hr 1 min

In dieser Folge von «nicht nur schön» sprechen wir über die Ursprünge, die Haltung und den Geist der Freinet-Pädagogik. Das Konzept umfasst unter anderem die Praxis von Drucktechnik, Schulpressen und kollektivem Lernen. Wir gehen der Frage nach, wie Wissen, Werte und Ästhetiken über Generationen hinweg weiter getragen werden.
Mit ihrem pädagogischen Ansatz und der Arbeit mit der Druckpresse prägten Élise und Célestin Freinet im frühen 20. Jahrhundert die Reformpädagogik massgeblich mit. Die Publikation «Freinet Technik» versammelt von Kindern geschrieben, gedruckte und publizierte Texte. Das Buch nähert sich dem Konzept aus Sicht von Gestaltung, Design und auch Typografie. Wir sprechen mit den Freinet-Mitgliedern Lulu Müller und Donatus Stemmle über den pädagogischen Ansatz von Freinet und ihre persönliche Erfahrungen in modernen Klassenräumen. Die Diskussionen beleuchten die Philosophie hinter Freinets Methoden und betonen Demokratie und Zusammenarbeit. Im Gespräch mit Paul Gangloff, dem Gestalter und Herausgeber des Buches, sprechen wir über das Potenzial von Fehler und ob die Ästhetik der Druckerpresse sein Schaffen beeinflusst.
Jan 30
51 min

Achtung, hier kommt das schönste Buch der Welt! Mit ihrer Installation «Forget Me Not/Vergissmeinnicht» reaktivierte die Schweizer Künstlerin Stéphanie Baechler den sogenannten «Tröckneturm» der Ostschweizer Stadt St. Gallen. Wurde dieser im 19. Jahrhundert noch für das Trocknen eingefärbter Stoffbahnen benutzt, so wandelte sich das auffällige Gebäude mit dem Abklang der lokalen Textilindustrie zu einem stillen Protagonisten – bis zum Sommer 2024. Nach vier Jahren Recherche, hartnäckiger Überzeugungsarbeit und akribischer Vorbereitungen hingen endlich wieder Stoffbahnen vom Turm – für die meisten St. Galler:innen eine Premiere.
Das gleichnamige Buch zeigt nicht nur Stéphanie Baechlers langen Weg zur finalen Installation, sondern auch Ladina Bischofs fotografische Dokumentation der 26 anderen verbliebenen «Tröcknetürme» der Schweiz. Beide Erzählstränge wurden in der Publikation über 400 Seiten zu einer einzigen, poetischen Geschichte verwoben – ein Effort, der mit der «Goldenen Letter» der Stiftung Buchkunst in Leipzig ausgezeichnet wurde.
Anlässlich einer Gruppenausstellung im Gewerbemuseum Winterthur haben wir Stéphanie Baechler zu einem Gespräch getroffen. Dabei ging es um den Stellenwert von Handwerk in ihrer künstlerischen Praxis, um in Vergessenheit geratenes Wissen aus der Textilindustrie und um die Rolle, welche Bücher in ihrem Alltag spielen.
Im Gespräch mit dem Gestalter Rudy Guedj konnten wir in Erfahrung bringen, wie diese monumentale Recherche in eine verdauliche Publikation verwandelt wurde, was die Vorzüge eines eigenen Verlags sind und wie sich Notlösungen manchmal als perfekte Entscheidungen herausstellen.
Dec 18, 2025
54 min

In dieser Episode von «nicht nur schön» tauchen wir ein in das Werk der französischen Konzeptkünstlerin Sophie Calle, die bekannt dafür ist, in ihren Arbeiten die Grenze zwischen Intimität und Öffentlichkeit, Dokumentation und Inszenierung auszuloten. Ausgangspunkt ist das Buch «Overshare» zur gleichnamigen Übersichtsausstellung im Walker Art Center in Minneapolis (USA) – die erste in Nordamerika überhaupt.
Für das erste Gespräch haben wir die Kuratorin Nadine Wietlisbach getroffen. Als Direktorin des Fotomuseums Winterthur konnte sie bei der Konzeption und Durchführung der Einzelausstellung «Un certain regard» das Werk und die Künstlerin Sophie Calle aus nächster Nähe erfahren. Sie verrät uns Details zu ihrer kuratorischen Perspektive, die Rezeption von Calles Arbeiten im Wandel der Zeit und zur Strategie der Institution in Sache Publikationen.
Mit der Zürcher Buchgestalterin Julia Born unterhalten wir uns über die Herausforderungen, ein Buch für eine Künstlerin zu entwerfen, die selbst für ihre Artist Books berühmt ist. Es geht dabei um Calles präzise Verknüpfung von Text und Fotografie, über die konzeptuellen Regeln, die ihr Werk strukturieren, und darüber, wie sich ihre Strategien in Buchform übersetzen lassen.
Nov 30, 2025
1 hr

In der zweiten Bonus-Episode von «nicht nur schön» geht es ausnahmsweise nicht um Bücher – sondern um Schallplatten.
Der Gestalter Max Schachtner und der Musiker/Produzent Martin Brugger betreiben seit 2019 das Münchner Label Squama Recordings, das experimentellen Jazz, Ambient und elektronische Musik mit einer starken visuellen Sprache verbindet. Ein zentraler Gedanke ist dabei die Nutzung des Labels als Plattform für Kollaborationen und das Interesse am Plattencover als vielschichtiges narratives Objekt.
Wir tauchen ein in die Geschichten hinter drei Alben aus dem Squama-Katalog. Dabei erfahren wir Details zu deren Grundkonzept und Gestaltung, aber auch zur allgemeinen Haltung der beiden Gründer. Es geht unter Anderem um die Vorzüge eines Wohnzimmeralbums, die Kultur von Fan-Art im asiatischen Raum und die Bedeutung analoger Netzwerke im digitalen Zeitalter.
Oct 24, 2025
51 min
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