Kontrafunk: Unter Freunden
Kontrafunk: Unter Freunden
Kontrafunk
Hier herrscht Harmonie im Kontrafunk. Schriftsteller und Liedermacher Bernhard Lassahn, auch genannt „der Milde aus dem Norden“, unterhält sich mit Gästen, die in Kultur und Gesellschaft etwas Besonderes beigetragen haben. Der Ton ist heiter, manchmal neckend, und immer typisch für ein Gespräch unter Freunden. Denn Freundschaft ist etwas, das gerade auch dann hält, wenn politische, philosophische oder religiöse Überzeugungen dagegenstehen.
Unter Freunden: Gabriele Gysi – Europa
Was als vielversprechendes Zukunftsprojekt begann mit der Vorstellung von einem geeinten Europa in Frieden und Freiheit hat sich zu einer Bedrohung entwickelt. Gabriele Gysi findet deutliche Worte, sie spricht von „Betrug“, von einem neuen „Imperialismus“ und von „organisierter Verantwortungslosigkeit“, wie man sie aus der DDR kannte und wie sie heute durch das Wirken der NGOs in neuer Form auflebt. Sie beklagt eine kulturelle Nivellierung, spricht von Abscheulichkeiten wie dem Eurovision Song Contest und der Art, wie sich die Olympischen Spiele präsentieren. Sie warnt vor einer neuen Aufrüstung und zeigt sich fassungslos über die „Sanktionen“, die sich die EU anmaßt.
Jun 4
50 min
Unter Freunden: Hubertus Becker – „Die Niederlage des Gefängnisses“
Hubertus Becker, genannt Huby, ist eine „Verbrecherlegende“. Sein Ehrenkodex, niemanden zu verraten, hat ihm nicht nur in der Unterwelt Respekt eingebracht und wird in Videos von Gangster-Rappern gepriesen. Als Haschischschmuggler hat er auf internationaler Bühne ein Luxusleben geführt, das ihn mit prominenten Abnehmern seiner Schmugglerware zusammengebracht hat. 1972 wurde er zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt, traf im Gefängnis auf Ludwig Lugmeier und startete ein neues Leben als Schriftsteller. Er gewann Preise, wurde von Martin Walser gefördert und ist inzwischen selbst ein aktiver Förderer der Gefängnisliteratur.
May 28
52 min
Unter Freunden: Franz Esser, Michael Sailer – Das neue München, wie es singt, lacht und lästert
Beide hatten dreissig Jahre Erfahrungen auf der Bühne hinter sich, als Corona dem Treiben ein Ende setzte. Michael Sailer versuchte in einem „heimlichen Garten“ durchzuhalten. Da traf er auf Franz Esser. Aus der Begegnung wurde ein neuer Anfang mit gemeinsamen Projekten und neue Formaten. Franz Esser, der Musiker, greift dabei auf ein Spektrum zurück, das von Degenhardt-Liedern und Schlagern bis hin zu Popsongs und Minihörspielen reicht. Michael Sailer, der „Büchernarr“, schreibt kritische Kommentare zu der „Chronik der laufenden Ereignisse“, die man wegen ihrer besonderen Beobachtungsgabe und Detailgenauigkeit mit den Aufzeichnungen von Victor Klemperer vergleichen kann. Beide sind nach der Corona-Krise wieder vor einem immer größer werdenden Publikum aktiv, lauter und lustiger denn je.
May 21
50 min
Unter Freunden: Magda von Garrel – „Mensch als Beute“
Man kann sich leicht von der scheinbaren Beiläufigkeit täuschen lassen, wenn Magda von Garrel uns in ihrem Buch „Mensch als Beute“ einigen freundlichen Gesprächen – etwa über Katzenkrankheiten – lauschen lässt. Die Dialoge sind gut zu lesen und führen uns sanft wie auf Katzenpfötchen an das Thema heran: die Bedrohung durch „elitäre Transformationsprojekte“. Magda von Garrel warnt vor den Gefahren der Digitalisierung, die im Bereich der Bildung bereits schwere Schäden angerichtet hat, vor der zunehmenden Überwachung, die sich besonders drastisch an den Sanktionslisten der EU zeigt. Der Verlierer bei den gigantischen Geschäften und kriminellen Machenschaften, denen sie auf der Spur ist, ist der einzelne Mensch, der ausgebeutet, überwacht und klein gehalten wird.Bei den Gesprächen über Corona, Gesundheit, Ernährung, Bildung, Mobilität, Diskriminierung, Überwachung, Manipulationen, Demokratieverluste und Zukunftsprojekte lauert immer bedrohlich ein Abgrund hinter der freundlichen Fassade, und es bleibt am Ende eine offene Frage. „Mensch als Beute“ ist ein Buch mit einer angenehmen, benutzerfreundlichen Oberfläche, wie man das von Smartphones kennt, aber mit ernsthafter Tiefe.
May 14
52 min
Unter Freunden: Volker Mohr – der Architekt mit dem poetischen Blick
Volker Mohr hat Architektur studiert und hat sich in Literatur verliebt. Er ist, wie Vera Lengsfeld meint, „einer der erstaunlichsten Gegenwartsautoren“ der Schweiz. Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass man in seinem Buch „Der Verlust des Ortes“ Betrachtungen über die Verrohung der Baukunst findet, die – eingerahmt in literarische Ausschweifungen – eine Tendenz aufzeigen, bei der am Ende der Mensch nicht als Mensch, sondern als Maschine gesehen wird, und immer nur, wie man heute unbedacht sagt, „vor Ort“ ist, jedoch nicht im Ort.
May 7
47 min
Unter Freunden: Friedhelm Reis – „Hass zerstört immer nur den, der hasst, niemals den Verursacher“
Manche kennen Friedhelm Reis womöglich von seinen „Berliner Flair“-Stadtführungen mit Rikscha, die ihn schließlich dazu gebracht haben, ein Standardwerk über 800 Jahre Berliner Geschichte zu verfassen. Darin breitet er viele historische Quellen aus, weil er in neueren Büchern „nichts über die Seele der Stadt“ gefunden hatte. Seine umfassende Bildung geht letztlich auf seine Stasi-Haft zurück, als er in seiner Verzweiflung – nach Aufhebung des Leseverbotes – Hilfestellung und Kraft in den Schriften der Klassiker fand, besonders bei Schiller, wo es im „Don Carlos“ heißt: „Verlerne zu bedürfen, was man dir verwehren kann“, und in „Maria Stuart“: „Man kann dich niedrig behandeln, aber nicht erniedrigen“.
Apr 30
51 min
Unter Freunden: Warschauer Ghetto
Schreck der Erinnerung: Am 19. April 1943 begann der Aufstand im Warschauer Ghetto, der im Mai mit einer „Großaktion“ niedergeschlagen wurde, sodass der SS-Brigadeführer Jürgen Stroop melden konnte: „Der ehemalige Jüdische Wohnbezirk Warschaus besteht nicht mehr.“ 65.065 Juden wurden „erfasst“ und „nachweislich vernichtet“. Ein Rückblick auf zwei Reisen, die sich dem Geschehen annähern, auf zwei Ausflüge in die Vergangenheit mit viel Musik und mit persönlichen Erinnerungen.
Apr 23
42 min
Unter Freunden: Gabriele Gysi – Grabrede auf die DDR in Würde
Gabriele Gysi kommt aus einer „redenden Familie“, in ihrem Buch „Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden“ mit dem Untertitel „Gibt es noch eine deutsche Frage?“ will sie eine Art Grabrede auf die DDR halten, um zu einem „stillen Grab“ zu kommen, um den Bürgern der DDR ihre Würde zurückzugeben. Sie betont den „Aufbauwillen“ und den aufrichtigen Wunsch, eine „gerechte Welt“ zu schaffen, stellt aber auch viele Fragen: Wie kam es zu einem Kulturkampf und zur Abschaffung der deutschen Kultur? Welche Rolle spielte Sergei Tjulpanow? Welche Elvis Presley? Welche Funktion hat das Gendern? Worin besteht der Vorteil, dass die Entwicklung in der DDR nicht profitorientiert war? Worin lagen der besondere Witz und der Humor der Ossis? Woher kommt das Verlangen nach Opfergaben? Ist „unsere“ Demokratie überhaupt noch eine Demokratie? Kann sich die „Ohnmacht des Zuschauers am Weltgeschehen“ in Macht umwandelt, wenn man jemanden denunziert? Kann man die neuen Repressionen durch die EU-Sanktionslisten mit dem Überwachungsapparat der Stasi vergleichen? Fragen über Fragen.
Apr 22
51 min
Unter Freunden: Christian Reuther – Friedensfahrt mit dem Rad
Damals waren sich die Organisatoren nicht einig, ob eine „Internationale Friedensfahrt“ von Warschau nach Prag führen sollte oder umgekehrt. 1948 gab es deshalb zwei Fahrten, eine von Warschau nach Prag, eine in die Gegenrichtung. Christian Reuther erzählt von der „Friedensfahrt Berlin“, die es seit 2022 gibt und sich als Fortsetzung dieser spektakulären Friedensfahrten sieht, die damals in der DDR jeder kannte. Auch 2022 mussten verschiedene Richtungen zusammengeführt werden: Die alten Friedensfahrer sehen sich in linker Tradition, die neuen Radler werden als „Neue Rechte“ beschimpft. Die „Friedensfahrt Berlin“ entstand aus den Corona-Demonstrationen, mit denen die Linken zunächst fremdelten. Inzwischen finden sie zusammen, einerseits die „Friko“, also die alte Friedensbewegung, zu der auch die Kriegsdienstverweigerer zählen, andererseits die Aktivisten einer neuen Friedensbewegung, die neue Lieder hat und einen besonderen Charme: Sie sind „mobil und bürgernah“. Mit einer Hand winken sie freundlich und verbreiten gute Laune, sie sind gegen Waffenlieferungen, für Verhandlungen, ihre Parole lautet „Frieden nach innen und außen“. Also dann: Gute Fahrt! Und: Frohe Ostern!
Apr 5
43 min
Unter Freunden: Andrea Charlotte Berwing – „Wir wurden mit Liebe erpresst“
Ihr Vater saß nach versuchter Republikflucht im Gefängnis. Weil sich die junge Andrea nicht von ihrem Vater distanzieren wollte, wurde sie in Mitleidenschaft gezogen. Sie durfte kein Abitur machen, als sie einen Ausreiseantrag stellte, beschied man ihr: „Sie kommen hier nie raus.“ Sie wurde Punk-Sängerin, weil es die angemessene Musik war, um das „sprengende Gefühl“ gegenüber den Einschränkungen des Sozialismus auszudrücken. Als sie schließlich doch in den Westen kam, war sie enttäuscht, als sie den Ost-Punk mit dem kaputten West-Punk verglich. Sie wollte nicht in die „Selbstzerstörung gehen“, schrieb Bücher und kleine kritische Texte für alternative Medien. Sogleich machte sie wieder Bekanntschaft mit der Kontaktschuld: Veranstaltungen wurden abgesagt, sie wurde gemobbt und verraten. So wie die Stasi versucht hat, Familien zu trennen und Liebschaften zu untergraben, so wurden wir auch in Zeiten von Corona „mit Liebe erpresst“, wie Andrea Berwing sagt. „Der gesunde Mensch wurde zum Feind erklärt. Liebe wurde zum Feind erklärt.“ Inzwischen hat sie wieder „Freude am Leben“ gefunden, sie sieht es jedoch nicht als ihre Aufgabe an, den Verrätern zu verzeihen. Das tut sie nicht.
Mar 29
50 min
Load more