Kinoshita
Kinoshita
Thomas Laufersweiler
Folge 2: THE LIVING MAGOROKU (1943)
30 minutes Posted Jan 30, 2022 at 7:00 am.
Abschied von Micha
Intro
Im Jahr 1543 findet eine Schlacht auf einem Reisfeld statt – es ist die Epoche, in der auch RAN und KAGEMUSHA angesiedelt sind. Die Besitzer des Reisfelds ehren das Andenken und bauen dort keinen Reis an, auch als Hunger herrscht: Ein Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Sprung in das Jahr 1943: Ein Manöver findet dort statt, patriotische Bilder, ein Schwert geht verloren, dessen Bedeutung noch klar werden wird. Mehrere Erzählstränge überlagen die Propaganda-Elemente.
Die Liebe der Busfahrerin scheitert erst einmal am feudalen System – die Knechte brauchen wie in der Vergangenheit eine Erlaubnis der Onagi-Familie zum Heiraten. Ein Arzt erfährt, dass er zur Finanzierung des Studiums das falsche Schwert verkauft hat – eines, dass der legendäre Magoroku geschmiedet hatte.
Konflikt zwischen Tradition und Moderne: Ein Generationenkonflikt bricht sich Bahn. Sich auflehnende Liebe, ein Sohn, der in eine Scheinkrankheit fällt, echte und falsche Schwerter – alles subversive Geschichten, die die Propaganda überlagern.
Die Schwerter sind die boccaccioschen Falken der Films. Sein und Schein – ein gefälschtes Schwert wird entdeckt und ein neues Schwert wird geschmiedet, das eine Tradition beginnen wird – erfüllt vom richtigen Spirit.
Das Happy End: Entscheidung gegen Tradition und Aberglaube, für die Gegenwart, für die Liebe, für das Leben. Das Reisfeld wird bestellt, der Mann wird gesund, die Liebenden heiraten, für Micha fast etwas zuviel :-)
Der gebaute Ton: Stimmen und Geräusche sind nachsynchronisiert. Und es gibt ein höchst gruseliges, metallisches Suspense-Horror-Geräusch – es ist die Oma mit dem Hämmerchen, aus dem Dunkel von unten beleuchtet – erinnert stark an die Maskenhaftigkeit von ONIBABA.
Der zeitliche Abstand von 75 Jahren ist nicht zu spüren: Handlung und Figuren sind intuitiv nachvollziehbar. Gelingt die Geschichte zu einer harmonischen Komposition zusammenzufügen, klare Bildsprache mit wirksamen Akzenten.
Mikrokosmos: Familie Onagi und ihr engeres Umfeld steht für die ganze Gesellschaft, wie die Inselbewohner im ersten Film oder wie die Anwohner einer Straße im nächsten Film, JUBILATION STREET.
Ende
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Show notes
Zu Beginn dieser zweiten Folge muss ich eine sehr traurige Nachricht überbringen: Micha ist verstorben. Wir haben uns – buchstäblich unter Michas Führung – auf eine Reise durch das filmische Werk von Keisuke Kinoshita aufgemacht. 25 Filme haben wir zusammen geschaut. Im letzten Film geht es um einen Jungen, der mit dem Tod seines Vaters konfrontiert wird. Er schafft es, den Laden seines Vaters weiter zu führen. Wir haben uns entschlossen, Michas Kinoshita-Podcast in seinem Sinn weiter zu führen. Ihm war das Projekt sehr wichtig, uns ebenso.

Ich vermisse Micha jeden Tag. Aber jeden Abend, wenn ich unsere Aufnahmen schneide, höre ich seine klugen Einordnungen und ich höre sein Lachen und so kann ich Abschied nehmen. Das wird vielleicht auch einigen unserer Hörer:innen so gehen, die Micha gekannt und sehr geschätzt haben. Wenn wir auch keinen Käsekuchen mehr mit ihm essen können, können wir doch für einige Stunden seine Stimme hören. Vielen Dank Micha.

Der Film: Es geht um die Rolle von Tradition in einer sich verändernden Welt: Auf einem historischen Schlachtfeld wird aus Respekt vor den Ahnen der 1573 gefallenen Kriegern von der respektablen Familie Onagi keine Landwirtschaft betrieben, obwohl es sehr fruchtbares Land ist und in Kriegszeiten jedes Feld benötigt wird. Und es geht um die legendären Schwerter des Schmieds Magoroku. Ein Offizier glaubt eines zu besitzen, ein anderer musste sein Magoroku-Schwert verkaufen, um sein Medizinstudium zu finanzieren. Kinoshita webt als Drehbuchautor noch zwei weitere Handlungsstränge um den kranken Sohn der Familie Onagi und eine nicht erlaubte Hochzeit ein.

Michael und Thomas diskutieren über einen epischen Samurai-Einstieg in den Film, bei dem Michael an Kurosawas KAGEMUSHA (1980) und RAN (1985) denken muss, sie diskutieren über Aberglaube, Generationenkonflikte, Grenzen der Propaganda, über eine Überdosis Optimismus und das Horrorhämmerchen der Großmutter, ein ONIBABA-Moment, den Thomas so schnell nicht vergessen wird.
Vielen Dank an Sandra für das wunderbare Episodenbild! Und danke an Michael Meier von Kompendium des Unbehagens für die Unterstützung beim Jingle. Grüße nach Osaka!