In meinem Exkurs über Allversöhnung beschäftigt mich die Erzählung vom Weltgericht in Matthäus 25 etwas länger. Diesmal geht es um die Frage: „Muss diese Erzählung als reale Beschreibung eines Weltgerichts mit doppeltem Ausgang verstanden werden? Kann man die Menschheit wirklich in Barmherzige und Unbarmherzige aufteilen? Handeln wir nicht manchmal barmherzig und manchmal nicht? Ist hier vielleicht mit Gericht etwas ganz anderes gemeint?“ Außerdem geht es darum, dass, wenn wir Matthäus folgen, das Wichtigste bei einem Menschen nicht ist, ob er rechtgläubig oder „ethisch korrekt“ ist, sondern ob er barmherzig ist. Und natürlich gilt das auch für ihn selbst: Auf den ersten Blick liest sich das Matthäus-Evangelium wie eine fortgesetzte Höllenpredigt, aber auf den zweiten ist Matthäus vor allem ein Evangelist der Barmherzigkeit.

