Show notes
Was trauen Staat und Politik den Bürgerinnen und Bürgern eigentlich noch zu – und was trauen die Bürger dem Staat noch zu? In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Prof. Dr. Sabine Kuhlmann über Staatsmodernisierung, Verwaltungsreform, Bürokratie, Digitalisierung und die Frage, warum viele Menschen den Staat im Alltag nicht mehr als handlungsfähig erleben. Sabine Kuhlmann ist Verwaltungswissenschaftlerin an der Universität Potsdam und eine der profiliertesten Stimmen in Deutschland, wenn es um die Leistungsfähigkeit öffentlicher Institutionen, Föderalismus, Verwaltungsdigitalisierung und bessere Rechtsetzung geht. Ihr Befund zu Beginn: Es gibt viele gute Reformideen – aber die Umsetzung bleibt zu oft schleppend. Genau dadurch entsteht bei Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl, dass vieles versprochen, aber zu wenig sichtbar eingelöst wird. Im Gespräch macht Kuhlmann deutlich: Die Unzufriedenheit mit dem Staat ist nicht nur ein Gefühl. Gerade dort, wo Verwaltung direkt mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt kommt – auf kommunaler Ebene, in Bürgerämtern, bei Anträgen, Genehmigungen oder Sozialleistungen – zeigen sich reale Überlastung, Fachkräftemangel, zu viele neue Aufgaben und eine weiterhin zu langsame Digitalisierung. Der Frust entlädt sich oft an den Menschen in der Verwaltung, obwohl die Ursachen häufig in überkomplexen Strukturen, wachsender Regulierung und politisch gesetzten Aufgaben liegen. Ein zentrales Thema ist die Frage, ob Deutschland bei Regeln und Verfahren nicht zu oft versucht, jede Einzelfallgerechtigkeit bis ins Detail abzubilden – und dadurch am Ende neue Ungerechtigkeit erzeugt. Kuhlmann argumentiert: Wenn Ansprüche, Zuständigkeiten und Verfahren so kompliziert werden, dass selbst Berechtigte ihre Leistungen nicht mehr beantragen oder verstehen, entsteht ein echtes Gerechtigkeitsproblem. Mehr Pauschalierung, einfachere Regeln, digitale Verfahren und gebündelte Zuständigkeiten könnten deshalb nicht weniger, sondern mehr Gerechtigkeit schaffen. Auf die Frage, wo eine Bundesregierung konkret ansetzen sollte, nennt Kuhlmann drei große Hebel: erstens Strukturen vereinfachen und Aufgaben bündeln, zweitens die Verwaltungsdigitalisierung konsequent voranbringen und drittens Gesetze von Anfang an praxistauglicher machen. Der Mutmacher dieser Folge: Es gibt Ansatzpunkte zur Modernisierung. Es gibt gute Ideen, ein neues Bewusstsein für das Thema, ein eigenes Digital- und Staatsmodernisierungsministerium und viele junge Menschen, die sich für Politik, Verwaltung und Reformen interessieren. Kuhlmanns Zuversicht liegt genau darin: dass eine neue Generation mit frischem Blick, mehr digitaler Selbstverständlichkeit und vielleicht auch etwas mehr Radikalität Dinge voranbringen kann. Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten:Unser neues Buch ist erschienen:„2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich.Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien:Instagramhttps://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut Facebookhttps://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfrYoutubehttps://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL



