Show notes
Room: STG-11 Christiane Frohmann Die Grand Tour oder auch Kavalierreise genannte Unternehmung diente in ihrer klassischen Form der kulturellen Horizonterweiterung, dem Knüpfen von politischen und gesellschaftlichen Beziehungen, dem Verfeinern von Manieren und Kenntnissen und ließ unausgesprochen auch Raum für das Männern vorbehaltene erotische Hörnerabstoßen vor der sozial vorteilhaft gewählten Eheschließung.
Auch bei der Neuen Grand Tour, dem Reisen im Netz, können antike Monumente und Meisterwerke der europäischen Kunst besichtigt, andere Kulturen und Sprachen kennengelernt werden: budget-, klima- und lebenszeitfreundlich. Alle anderen Koordinaten aber haben sich verändert. Unterwegs im Flow lässt sich das neue Prestige Aufmerksamkeit gewinnen; ästhetische, soziale und politische Phänomene können, noch während sie emergieren, beobachtet und mitgeprägt werden. Alles geschieht instantan, ohne dass man sich dafür in der physischen Realität vom Fleck bewegen müsste. Beim Netzreisen verwischen Grenzen, die Vorstellung von Nationalstaaten verliert sukzessive an Plausibilität. Vielleicht ist selbst die Idee Europa schon zu eng geworden für die virtuell Weitreisenden.
Christiane Frohmann unternimmt auf der re:publica mit ihren Zuhörer\_innen eine Neue Grand Tour im Zeitraffer, gemeinsam werden verschiedene Gegenden des Netzes bereist. So lässt sich die Alte Welt neu sehen, und vielleicht gelangt man sogar zur vorläufig aktuellsten Form der Neuen Welt. Natürlich bleibt es nicht aus, dass man unterwegs Banditen begegnet. Reisen bildet, aber Reisen birgt auch Gefahren. (Menschen, die den Untergang des Abendlandes fürchten, wird ausdrücklich von der Passage abgeraten.)Produced by Voice RepublicFor more podcasts visit http://voicerepublic.com



