Worum geht’s in dieser Folge?
Diesmal ist das Philosophicum der 8. Staffel dran. Im Philosophicum versuche ich ja, mich mit etwas grundsätzlicheren Fragen des Lebens zu beschäftigen. Im Philosophicum geht es also nicht um konkrete Tipps oder fertige Antworten, sondern eher um die offenen Fragen, die mich - und vielleicht auch dich - beschäftigen. Und deshalb lade ich dich in diesem Philosophicum lade dich dazu ein, mit mir ein bisschen nachzudenken.
In diesem Philosophicum geht es um eine Frage, die mich seit fast vier Jahren beschäftigt, nämlich seit dem Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal Papa geworden bin. Die Frage lautet nämlich: Kann man eigentlich die eigenen Kinder auch als Personal Project betrachten? Ist diese Sichtweise hilfreich, das heißt tu ich mir und meinen Kindern damit was Gutes, oder führt uns diese Betrachtungsweise eher auf den Holzweg?
Wie gesagt, ich habe auf diese Frage keine fertige Antwort, eher ein paar Ideen und Gedankensplitter, die ich für diese Folge mal zusammengetragen habe. Die Frage finde ich aber insofern spannend, weil wenn man verschiedene Menschen so fragt, was denn ihre Core Projects sind, also ihre Herzensprojekte, dann kommen so Dinge wie Familie und Kinder immer ganz weit vorne. Und deshalb finde ich es eben so spannend, das mal zu hinterfragen.
Auf den ersten Blick würde man wahrscheinlich sagen: "Na klar sind die eigenen Kinder ein Herzensprojekt, das ist ja gar keine Frage!" Aber lass uns in dieser Folge, in diesem Philosophicum da mal genauer hinschauen, was wir damit eigentlich meinen und welche Konsequenzen das für unser Leben und das unserer Kinder haben könnte.
Wie gesagt: Keine ausgegorenen Antworten, sondern ein paar Gedanken von mir, die du gerne weiterdenken oder anders denken kannst.
1. Gedanke: Ist es das passende Modell?
Der erste Gedanke, über den ich gerne laut nachdenken möchte, ist folgender: Wenn wir über unsere Kinder nachdenken, ist da die Metapher der „Personal Projects” überhaupt das richtige Bild? Uns muss nämlich immer wieder bewusst sein: Diese Idee der Personal Projects, das ist ein so genanntes Modell. Ein Modell ist ein Gedankenkonstrukt, also eine geistige Erfindung, die uns dabei helfen kann, unser Leben und das, was wir als unsere Wirklichkeit wahrnehmen, zu erklären. Modelle helfen uns dabei, die Welt besser zu verstehen, weil sie komplexe Vorgänge anschaulicher machen, weil wir uns mithilfe von Modellen komplexe Dinge überhaupt erst erklären können.
Aber, und das ist ganz wichtig: Modelle SIND NICHT die Wirklichkeit. Das dürfen wir nicht verwechseln. Also: Es ist nicht so, dass es Personal Projects tatsächlich einfach so "gibt". Nein, wir können das Modell der Personal Projects hernehmen, um uns unser Leben besser zu erklären. Und diese Erklärung mithilfe von Personal Projects, das funktioniert aus meiner Sicht in ganz vielen Lebensbereichen wirklich gut. Mit der Personal Projects Theorie lassen sich viele Vorgänge in unserem Leben wunderbar erklären.
Aber wir müssen uns trotzdem immer wieder fragen: Für diesen konkreten Aspekt unseres Lebens, in dem Fall eben unsere Kinder… Ist auch da die Personal Projects Theorie auch ein nützliches Modell, oder wenden wir da auf diese konkrete Frage ein Werkzeug an, das eigentlich überhaupt nicht passt?
2. Gedanke: Bildhauer oder Gärtner?
Wenn ich jetzt einfach mal davon ausgehe, dass es sinnvoll ist, unsere Kinder auch als Personal Projects zu sehen - nicht, weil ich mir sicher bin, dass das ein hilfreiches Modell ist, sondern um einfach mal zu sehen, wo uns diese Sichtweise hinführen würde - also wenn wir jetzt mal sagen: Okay, wir können unsere Kinder als Personal Projects sehen - dann stellt sich schon die nächste Frage: Okay, aber welche Art von Personal Projects?
Ich meine damit die grundlegende Unterscheidung in Beziehungsprojekte und Ergebnisprojekte. Darüber habe ich schon ein paar Mal gesprochen. Ergebnisprojekte sind Personal Projects, die ein ganz bestimmtes Ergebnis haben oder ein bestimmtes Ziel verfolgen, wohingegen Beziehungsprojekte kein klares Ergebnis und kein bestimmtes Ziel haben, wo eher der Weg das Ziel ist.
Und wenn wir das jetzt auf unsere Kinder anwenden, dann macht das natürlich einen GEWALTIGEN Unterschied, ob wir unsere Kinder als Ergebnisprojekt oder als Beziehungsprojekt sehen.
Eltern, die ihre Kinder als Ergebnisprojekt sehen, die kennen wir alle. Das sind richtige Pusher-Eltern. Diese Eltern haben klare Vorstellungen davon, was gut und richtig für ihre Kinder ist und wenden auch sehr viel Energie und Engagement auf, um diese Idealvorstellungen zu erreichen. Und, das ist mir ganz wichtig zu sagen: Diese Eltern tun das aus den allerbesten Absichten! Das sind KEINE lieblosen, schlechten Eltern. Im Gegenteil: Diese Eltern wollen - wie die allermeisten Eltern auf der Welt - nur das Beste für ihre Kinder. Nur eben mit der Herangehensweise, dass sie ein klares Ergebnis, ein klares Ziel vor Augen haben und das Ziel des Herzensprojekts „Kinder” darin sehen, dieses ideale Ergebnis zu erreichen - zum vermeintlichen Wohl der Kinder. Man könnte diese Eltern mit einem Bildhauer vergleichen. Ein Bildhauer hat eine klare Vorstellung davon , was er aus dem Marmorblock machen möchte, und er hämmert so lang an dem Stein herum, bis einigermaßen das raus kommt, was er sich vorgestellt hat.
Eltern hingegen, die ihre Kinder als Beziehungsprojekt sehen, die handeln eher wie ein Gärtner. Ein Gärtner lässt die Pflanzen in seinem Garten wachsen und beschränkt sich darauf, hie und da mal ein bisschen was zurechtzuschneiden, zu gießen und zu düngen, das Unkraut auszurupfen und generell darauf zu achten, dass alles so gut wie möglich gedeiht - nämlich ganz natürlich, ohne ein bestimmtes Ergebnis vor Augen zu haben. Wenn wir unsere Kinder als Beziehungsprojekte sehen, dann geht es weniger darum, was sie konkret tun, was kurzfristig gut für sie sein könnte, sondern es geht in erster Linie um die langfristige Beziehung zu unseren Kindern - was auch immer konkret aus dieser Beziehung erwachsen wird - in dem Vertrauen darauf, dass unsere Kinder von selbst irgendwann wunderschön aufblühen werden.
Jetzt wirst du vielleicht sagen: "Eh klar, Kinder sollten - wenn schon - ein Beziehungsprojekt sein." Ja, eh klar, aber so einfach ist das oft nicht.
Gerade wir Personal Projects Manager sind oft sehr ergebnisorientiert von unserer Persönlichkeit her, und das auch bei unseren Kindern. Wir sind selber oft High Achiever, und deshalb müssen wir, glaube ich, immer wieder mal innehalten und fragen: Wer will ich für meine Kinder jetzt gerade sein, ein Bildhauer oder ein Gärtner? Und: Behandle ich mein Kind gerade dementsprechend, oder eher nicht?
Aber selbst wenn wir das geklärt haben, gehen die Schwierigkeiten noch weiter.
3. Gedanke: Wem „gehören” die Hausaufgaben?
Nehmen wir mal an, wir wären uns einig, dass es der bessere Zugang wäre, die Kinder als Beziehungsprojekt zu sehen. Wie gesagt, darüber kann man gerne noch diskutieren, aber nehmen wir es jetzt einfach mal an. Bleibt die Frage: Was bedeutet das nun konkret im herausfordernden Alltag der Kindererziehung?
Nehmen wir ein Beispiel: Das Kind war in der Schule, kommt nach Hause und hat keine Lust, seine Hausaufgaben zu erledigen. Ich glaube, sowas in der Richtung können wir uns alle vorstellen. Wie gehen wir als Eltern damit um?
Wenn wir jetzt sagen, wir wollen wie Gärtner agieren, bedeutet das, dass wir einfach sagen können: Na gut, mein liebes Kind will die ...
![[Projekt: Leben]](https://cdn-images.podbay.fm/eyJ0eXAiOiJKV1QiLCJhbGciOiJIUzI1NiJ9.eyJ1cmwiOiJodHRwczovL2ltZy50cmFuc2lzdG9yLmZtL0hMUnZtUVdpVnVyNFZ4WlF0dzJnSFA3Wk44NTd4SFJxTkpGSURzM3dkdmsvcnM6ZmlsbDozMDAwOjMwMDA6MS9xOjYwL2FIUjBjSE02THk5cGJXY3QvZFhCc2IyRmtMWEJ5YjJSMS9ZM1JwYjI0dWRISmhibk5wL2MzUnZjaTVtYlM5emFHOTMvTHpRM01qRTBMekUzTURFdy9Oekl6TmprdFlYSjBkMjl5L2F5NXFjR2MuanBnIiwiZmFsbGJhY2siOiJodHRwczovL2lzMS1zc2wubXpzdGF0aWMuY29tL2ltYWdlL3RodW1iL1BvZGNhc3RzMjIxL3Y0LzNiL2I4L2I1LzNiYjhiNTY5LWRjNDYtNjA0NS1iYjlkLTQ5OWNiMGNkMzlkYi9temFfNTMzNjgzMzMyMDk5MTk2OTA1Ny5qcGcvNjAweDYwMGJiLmpwZyJ9.d6y7BjBIrPXw48ufWAfAMM9_4DvRkQvb0PiM43CFM3Y.jpg?width=400&height=400)

