[Projekt: Leben]
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Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com
S07E02: Wie wählen wir unsere Personal Projects aus? (#68)
17 minutes Posted Sep 10, 2019 at 4:17 am.
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Show notes

Worum geht's in dieser Folge?

Wir haben heute Episode 2 der 7. Staffel, in der ich ja den Versuch unternehme, das Buch für euch aufzubereiten und euch die interessanten und inspirierenden Dinge mitzugeben, die ich beim Lesen gelernt habe - damit ihr das Buch nicht auch lesen müsst.

Ich bin im Buch mittlerweile bis Seite 61 gekommen, und in dieser Folge möchte ich mit euch etwas besprechen, das in zwei Absätzen auf den Seiten 54 und 55 angesprochen wird und das ich für eine der spannendsten Fragen rund um Personal Projects überhaupt halte. Nämlich: Wie wählen wir unsere Personal Projects überhaupt aus? Wie schafft es ein Personal Project überhaupt, bei uns sozusagen „auf den Schirm“ zu gelangen? Wie wählen wir aus, mit welchen Personal Projects wir uns gerade heute oder morgen oder in dieser Woche beschäftigen wollen? Das heißt, wie treffen wir eigentlich die Auswahl, mit welchen ganz konkreten Personal Projects wir uns beschäftigen wollen oder müssen aus der großen Menge der möglichen Personal Projects, mit denen wir uns beschäftigen KÖNNTEN. 

Und auf diese Frage möchte ich in dieser Folge zuerst eine wissenschaftliche Antwort geben und dann eine praktische Antwort aus meinem eigenen Leben. 

Die wissenschaftliche Antwort

Okay, also zuerst die wissenschaftliche Sicht: Wie wählen wir unsere Personal Projects aus? Das ist eine Frage, die auch Brian Little und seine Kollegen bei der Erforschung von Personal Projects beschäftigt hat. Er hat eine ziemlich ausgefeilte Methodik entwickelt, wie man Personal Projects analysieren kann, und die nennt er (praktischerweise) „Personal Projects Analysis“. Über die Personal Projects Analysis spreche ich mal in einer anderen Folge genauer, das ist wirklich sehr interessant. Für heute reicht uns dazu folgende Überlegung: Stell dir vor, du bist ein Wissenschaftler und möchtest die Personal Projects einer Person erforschen. Dann stellt sich gleich zu Beginn deiner Forschung schon die grundsätzliche Frage: Ja, WELCHE der Personal Projects dieser Person soll ich denn genauer erforschen? Alle? Das wird wohl nicht gehen, das sind ja viel zu viele. Also besser auf ein paar Personal Projects konzentrieren. Aber auf wie viele. Und vor allem: Auf welche? Wie kann ich auswählen, welche Personal Projects wichtig sind und welche nicht?

Das ist, finde ich, eine ganz spannende Frage, die uns ja auch im Alltag beschäftigt: Welche Personal Projects sind wichtig und welche nicht? Wie wir dieses Problem im Alltag angehen, dazu sage ich später mehr. Jetzt verrate ich dir aber mal, wie Brian Little dieses Dilemma bei seinen Forschungen gelöst hat.  

Er macht das folgendermaßen: Zuerst bekommt jeder Teilnehmer, der an so einer Personal Projects Analysis teilnimmt, 10 - 15 Minuten Zeit. In der Zeit soll der Teilnehmer alle Personal Projects aufschreiben, die ihm einfallen. Einfach alles, was ihm gerade durch den Kopf schwirrt. Dann, im Anschluss, wird der Teilnehmer aufgefordert, aus dieser Liste 10 Projekte auszuwählen, die der Teilnehmer gerade für besonders wichtig oder typisch in seinem Leben hält. 

Das heißt, Brian Little gibt überhaupt keine genaueren Kriterien vor, was genau unter „wichtig“ oder „typisch“ zu verstehen ist. Er überlässt vollkommen den Teilnehmern die Bewertung und die Auswahl. Er arbeitet einfach mit den Projekten weiter, die die TEILNEHMER gerade für wichtig oder typisch oder beides halten.  

Das mag auf den ersten Blick ein bisschen willkürlich und unwissenschaftlich aussehen, aber dahinter steckt eine ganz, ganz spannende Überlegung. Und zwar folgende: Brian Little geht davon aus, dass jeder von uns der Experte seiner eigenen Personal Projects ist. Kein anderer Mensch der Welt kennt deine Personal Projects so gut wie du - auch kein Wissenschaftler. Das heißt, niemand auf der Welt kann besser entscheiden als du selbst, welche deiner Personal Projects gerade wichtig sind. Nur du kannst das einschätzen, und dafür gibt es auch keine wissenschaftlichen Kriterien. Deshalb versucht er erst gar nicht, irgendwelche Entscheidungsbäume oder Entscheidungskriterien aufzustellen, was ein Personal Project jetzt „wichtig“ macht und was nicht. Weil es keinen Sinn hat, weil jeder von uns seine ganz eigenen Maßstäbe davon hat, was wichtig ist und was nicht. Und da jeder von uns der Experte für sich selbst ist, kann Brian Little als Forscher auf dieses Expertenurteil vertrauen. Es bleibt ihm auch, ehrlich gesagt, gar nichts anderes übrig, weil diese Auswahlmethode vielleicht nicht perfekt ist, aber immer noch um Längen besser als jede andere. 

George Kelly

Die Idee, dass wir Menschen Experten für uns selbst sind, stammt übrigens von George Kelly. Kelly geht davon aus, dass jeder von uns quasi wie ein Forscher durch sein eigenes Leben geht und Hypothesen darüber aufstellt, wie die Welt funktioniert, was wichtig ist im Leben, wofür es sich zu arbeiten lohnt und so weiter. Diese Hypothesen nennt Kelly „Personal Constructs“, und diese Hypothesen überprüfen wir unser Leben lang. Wen diese Idee genauer interessiert, ich habe in der 2. Staffel des Podcasts eine ganze Episode über Personal Constructs gemacht, nämlich Episode 6. Ein ganz spannendes Konzept, mit dem sich viel von dem erklären lässt, was wir in unserem Leben so tun oder nicht tun. 

Okay, Zwischenfazit: Wenn wir uns die Frage stellen: Wie sollen wir unsere Personal Projects auswählen?, dann ist erstmal die Antwort von Seiten der Personal Projects Forschung folgende: Welche Projekte du auswählen sollst, das weiß kein Mensch der Welt besser als du selbst. DU bist der Experte, und daher bist DU der einzige Mensch der Welt, der die richtige Auswahl treffen kann. 

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich hat dieser Gedanke, dass ich - und nur ich - der Experte meiner Personal Projects bin, ziemlich stark beeindruckt. Nämlich vor dem Hintergrund, dass wir uns ja oft wünschen würden, es gäbe da jemanden, der uns sagen würde, was wir tun sollen und was nicht. Irgend eine Instanz, die klar definieren würde, was wichtig ist in unserem Leben und was nicht. Irgendwelche Entscheidungskriterien, die uns helfen zu entscheiden, dass dieses eine Personal Project wichtiger ist als jenes andere.  

Aber das spielt es eben nicht. Wir selbst müssen diese Entscheidungskriterien entwickeln, und das dadurch, dass wir zu Er-Forschern von uns selbst werden und zu Experten darin, wie wir ticken. 
Und wie das in der Praxis bei mir ausschaut, dazu gleich mehr. 

Meine persönliche Antwort

Okay, also wir haben bisher gesagt: Wie du die Personal Projects auswählst, die für dich im Moment wichtig sind, das liegt allein an dir. Weil nämlich: DU bist der Experte für dich selbst, und du hast daher das allerbeste Wissen, um diese Entscheidung für dich zu treffen. 

So weit, so gut. Aber was bedeutet das für den Alltag unseres Projekts Leben? Wie setze ich das konkret um? 

Mich hat diese Frage erst vorgestern wieder beschäftigt. Ich habe mir vorgestern nämlich ein paar Stunden Zeit genommen und meine Personal Projects festgelegt, auf die ich mich in den nächsten Monaten konzentrieren will. Ich hab das ja schon öfters gesagt, ich habe für mich so ca. 300 Personal Projects identifiziert, und die Herausforderung war nun: Auf welche 20 oder 30 fokussiere ich mich in den nächsten Wochen? 

Ich bin bei der Auswahl auch irgendwie so vorgegangen wie ein Teilnehmer bei einer Personal Projects Analysis: Ich habe einfach intuitiv entschieden, in dem Vertrauen, dass ich schon irgendwie weiß, was wichtig ist und was nicht. Und so machen wir es ja auch i...