[Projekt: Leben]
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Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com
S07E01: Was genau ist ein Personal Project? (#67)
18 minutes Posted Sep 3, 2019 at 4:35 am.
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Show notes

Worum geht's in dieser Folge?

Mit dieser Folge starte ich die siebente Staffel des Podcasts. Und für diese siebente Staffel habe ich mir ein Experiment vorgenommen, nämlich: Ich mache in dieser Staffel einen einzigen großen Buchclub. Und das Buch, das ich in dieser Staffel besprechen werde, ist „Personal Project Pursuit - Goals, Action, and Human Flourishing”. Es stammt aus dem Jahr 2007 und wurde herausgegeben von Brian R. Little, Katariina Salmela-Aro und Susan D. Phillips. 

Der aufmerksamen Hörerin, dem geneigten Hörer wird wahrscheinlich einer der Autoren bekannt vorkommen: Brian Little. Ich nenne ihn den Godfather der Personal Projects, und er ist der Begründer der Personal Projects Theorie, um die es ja in diesem Podcast im Grunde geht.
Naja, jedenfalls war der Plan - und das habe ich in der letzten Folge, am Ende der sechsten Staffel angekündigt -, dass ich dieses Buch lese und meine Learnings dafür in diesem Podcast für euch, meine lieben Hörerinnen und Hörer aufbereite. Damit ihr dieses Buch nicht auch lesen müsst, sondern ihr das Nützlichste einfach bei mir im Podcast anhören könnt. 

Na gut, zu Beginn ist vielleicht die Frage angebracht: Wie ist es mir mit diesem Personal Project, das Buch zu lesen,  gegangen?  

Naja, schlechter als gedacht, um ehrlich zu sein. Es ist ein wissenschaftliches Buch, das war mir von Anfang an bewusst, und es ist in Englisch geschrieben. Von da her war mir klar, dass das nicht so einfach werden würde. Aber WIE langsam ich weiterkommen würde, das habe ich dann doch unterschätzt. Ihr müsst euch das nämlich so vorstellen: Da gibt es Seiten im Buch, da steht in jedem Satz etwas super Spannendes drinnen. 
Die heutige Folge zum Beispiel, das ist im Buch nur eine einzige Seite. Aber die ist so dicht gefüllt mit Informationen, ein Wahnsinn. Und was dann noch dazu kommt: Wenn ich das lese, dann fallen mir selber noch zusätzlich Sachen dazu ein. Das heißt: Ich lese einen Satz, dann versuche ich ihn zu verstehen (nämlich wirklich zu verstehen) - und dann denke ich nach, was mir dazu noch einfällt, was der für mich bedeutet - und was er für das ganz praktische Personal Project Management bedeuten könnte. 
Insgesamt eine sehr spannende Sache, aber noch viel aufwändiger, als ich dachte. Aber das soll eure Sorge nicht sein. Das Projekt geht wie geplant über die Bühne: Diese siebente Staffel widmet sich meinen Learnings aus diesem Buch. Und in der heutigen Folge klären wir etwas ganz Grundsätzliches: Was ist eigentlich ein Personal Project? (Im Buch übrigens auf den Seiten 25 und 26). 

Fünf Punkte, die ein Personal Project ausmachen

Der eine oder andere Hörer wird sich jetzt vielleicht fragen: Was? Günter, das ist jetzt die 67. Podcast-Folge, und JETZT erklärst du, was ein Personal Project ist? Ist das nicht reichlich spät? 

Naja, das könnte man zwar so sehen, aber: Natürlich habe ich das auch schon früher erklärt, nämlich genauer gesagt in der allerersten Podcast-Folge. Insofern ist das hier keine Premiere. 

Aber mir ist ein anderer Aspekt viel wichtiger: Ich glaube, es tut uns allen gut, uns wieder mal „back to the roots” zu begeben und zwischendurch mal so eine grundsätzliche Folge zu machen. Sich mal wieder zu vergegenwärtigen, wie die Idee der Personal Projects eigentlich aus Sicht der Psychologie aussieht - und nicht nur aus Sicht des Managements, so wie ich den Schwerpunkt in diesem Podcast lege.  

Also, möchte ich euch in dieser Folge auf ein Blitz-Studium in Psychologie einladen und mit euch Punkt für Punkt klären, was genau ein Personal Project ist. Und es sind fünf Punkte, die wir da beachten müssen. 

Okay, legen wir los: Wie definiert Brian Little nun ein Personal Project? Er sagt, ich zitiere: „Personal Projects are extended sets of personally salient action in context.” Und das könnte man folgendermaßen übersetzen: „Personal Projects sind erweiterte Sets von persönlich herausragenden Handlungen in einem Kontext.” 

Ich bin mir nicht sicher, ob der Satz durch die Übersetzung klarer geworden ist. Ich wiederhole ihn nochmal: „Personal Projects sind erweiterte Sets von persönlich herausragenden Handlungen in einem Kontext.” 

Na gut, schauen wir uns das jetzt mal Punkt für Punkt an.  

1) „Personal Projects sind ERWEITERTE Sets von persönlich herausragenden Handlungen.” Was bedeutet nun dieses „erweitert”? 

  • Personal Projects sind Unternehmungen, die sich über einen längeren Zeitraum und/oder über weitere Räume erstrecken. Das ist etwas, das länger dauert - oder zumindest länger dauern kann.  
  • Nur ganz selten werden Personal Projects in einer ununterbrochenen Aktion erledigt. Meistens teilt sich das auf. Man arbeitet an einem Tag ein bisschen dran, dann macht man eine Pause, dann geht es an einem anderen Tag weiter. Mal ein paar Minuten, mal eine Stunde.  
  • Personal Projects erstrecken sich typischerweise über Stunden, manchmal über Tage, vereinzelt über Jahrzehnte. Und mit manchen Personal Projects wird man in seinem Leben gar nicht fertig. 
  • Das alles ist gemeint mit „erweitert”. 

2) Personal Projects sind erweiterte SETS von Handlungen

  • Das bedeutet, dass Personal Projects nur sehr selten aus einer einzelnen Handlung bestehen, sondern eher aus einem Bündel (also einem Set) von Handlungen, die miteinander verwoben sind.  
  • So wie in einem echten Projekt gibt es nächste Schritte, übernächste Schritte, Zwischenschritte, Zwischenziele, Projektziele, Zwischenergebnisse, Projektergebnisse und so weiter.  
  • Personal Projects sind also in den allermeisten Fällen „work in progress”, wo ein Teil erledigt ist und ein anderer Teil noch fehlt. Meiner Erfahrung nach ist meistens der größere Teil der, der noch fehlt... 
  • Was noch dazu kommt: Für Außenstehende ist nicht immer klar erkennbar, dass und wie diese zusammengehörenden Handlungen miteinander verbunden sind. Als Außenstehender ist nicht immer klar, was genau eine konkrete Handlung für das Projekt bringen soll. Denken wir zum Beispiel an eines meiner Lieblings-Personal Projects: Eine Hochzeit planen. Wer selbst noch die durch die Freuden und Schmerzen dieses Projekts gegangen ist, kann gar nicht verstehen, was da alles zu tun sein könnte. Aber selbst wenn man schon Hochzeits-erfahren ist, kann es gut sein, dass man so manches nicht nachvollziehen kann, das ein anderes Paar bei ihrer Hochzeitsplanung tut oder nicht tut.  
  • Das heißt, diese Sets, dieses Bündel an Handlungen, das ist nicht immer gleich - selbst wenn es sich um ähnlich gelagerte Projekte wie eine Hochzeit handelt. Gut möglich, dass es sogar noch nie zwei Hochzeiten gegeben hat, die genau das gleiche Set an Handlungen gehabt haben.  

3) Personal Projects sind „persönlich herausragend”. 

  • Der psychologische Fachbegriff dafür lautet „salient”. Salient bedeutet, dass es für einen Menschen hervorstechend ist, also eine besondere Bedeutung hat. 
  • Umgelegt auf Personal Projects bedeutet das: Aus dem unendlichen Feld der Möglichkeiten, was wir in unserem Leben tun könnten, stechen die die Personal Projects heraus. Damit ein Projekt für einen Menschen überhaupt zu einem Personal Project werden kann, muss es für diesen Menschen salient sein. Mit anderen Worten: Es darf diesem Menschen nicht vollkommen am A… vorbei gehen.  
  • Wenn jemand z.B. für die Jagd nichts übrig hat, dann ist es höchst unwahrscheinlich,...