Flurfunk Paulskirche
Flurfunk Paulskirche
Daniel und Solveig
FP09 - Polen ist verloren!
1 hour 31 minutes Posted May 23, 2024 at 2:00 am.
Nationaler Hunger
Teilungen Polens
Novemberaufstand 1830
Posenprozess und Polenbefreiung
Ist Posen deutsch?
Ursache der Polendebatte
Adolf Goeden über Germanentum
Emil Senff hält seine erste Rede
Robert Blum fordert Gerechtigkeit
Wilhelm Jordan ist für Volksegoismus
Die Polen sind unfähig zur Freiheit
Johannes Janiszewski kämpft mit sich
Fürst Lichnowsky und die deutsche Grammatik
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Show notes
Lange war Polen eine europäische Großmacht gewesen, bevor drei seiner Nachbarn innenpolitische Probleme ausnutzten um das Land unter sich aufzuteilen. Nach drei Teilungen 1772, 1793 und 1795 verschwand Polen von der politischen Karte Europas. Von Napoleons Gnaden entstand für kurze Zeit das Herzogtum Warschau. Doch den größten Teil erhielt beim Wiener Kongress der russische Zar. Einen kleineren Teil kam bei dieser neuerlichen Teilung als Großherzogtum Posen zu Preußen, wurde jedoch nicht Teil des Deutschen Bundes.

Im Revolutionsjahr 1848 solidarisiert sich die deutsche Nationalbewegung mit der polnischen Freiheitsbewegung. Am 20. März erzwingen Berliner Revolutionäre die Begnadigung polnischer Häftlinge, die nach verratenen Aufstandsplanungen im Gefängnis Moabit einsitzen. Ihr Anführer Ludwik Mierosławski hält mehrfach umjubelte Reden an die Berliner. Doch all diese Solidarität und Freundschaft weichen bald darauf einem neuen nationalen Egoismus.

Das Frankfurter Vorparlament klammerte in seinen Erklärungen zu Polen das Großherzogtum Posen einfach aus. Und damit auch die Frage, ob dort Wahlen zur Nationalversammlung stattfinden sollen. Schließlich werden zwölf Abgeordnete gewählt und nehmen ihre Sitze im Parlament ein. Verbunden mit der elemantaren Frage der Grenzen des Deutschen Bundes und damit eines künftigen deutschen Nationalstaates, debattiert die Paulskirche im Juli 1848 drei Tage lang die Frage, ob das Großherzogtum Posen zu Deutschland kommen solle bzw. ob die Posener Abgeordneten ihre Sitze im Parlament behalten dürfen.

In der Debatte erinnern zwar noch manche Redner an die Solidarität mit den Polen in der Revolution und beschwören die große Geschichte der einstigen Adelsrepublik. Vor allem der Abgeordnete Robert Blum beschwört die Idee der Gerechtigkeit gegenüber dem polnischen Volk. Doch die meisten Abgeordneten plädieren nun für die Wahrung deutschen territorialen Besitzes und das das Recht des stärkeren. Der Abgeordnete Wilhelm Jordan spricht sich für einen "gesunden Volksegoismus" aus und für Besitzstandswahrung. Zudem hätten die Polen einen "Volkscharakter", der es ihnen unmöglich mache, sich selbst zu verwalten. Vor allem seine Rede ist nicht nur voller Klischees, sondern verweist in ihrem Chauvinismus bereits auf sich entwickelnde Ideologien.


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