Show notes
Liebe Liebe,deine Schrift ist mir unbekannt.Dieser Abstand, dieser Abstand,er schmerzetund ist mir doch zugleich Arznei wider die Angst.Dieser Augenblick bei dir,tief in meine Seele eingeprägt.Ich wäre gerne ein Ganglehrer,doch, bei Gott, ich bin es nicht.Der Briefwechsel begann.Du erzähltest von dem Entwurf deines Lebens.Nunmehr blick ich durch den Tageleuchter,blicke auf den Gesichtsendigerund weiß,dass es dahinter weitergehe,doch sehen kann ich nicht,wie und wo.Oder liegt allda das Nirgendland?Diese Leidenschaftwar sie Leidenschaftoder Sehnsucht?Du warst wie ein Liebesstein.Das Lustgetöne,so viele Überschneidungen im Lustgetöne, das wir mögendies mag nicht Zufall allein sein.Oder bergen wir uns hinter Mummgesichtern?Deine Mundart,nuff und nunna könnt ich’s hören.Verliebtsein ist Scheidekunst im Körper,durch und durch.Es könnte der Grundstein seinfür ein Schloß,eine Burg,für eine Kutsche, darinnen Bett und Küche.Verfasser dieser Zeilen bin ich nun.Die Zeitblicke vergehen,ich schaue ihnen nach,zähle sie.Was aber ist deine Zeugemutter?(Phillip von Zesen an Maria Becker, 1672)Zu erratende Begriffe (Achtung, Spoiler!):Allbegriff (entspr. Kosmos)Entgliederkunst (Anatomie)Gesichtsendiger (Horizont)Heilandin (Ärztin)Liebesstein (Magnet)Lustgetöne (entspr. Musik)Meuchelpuffer (Pistole)Nirgendland (Utopia)Obererzvater (Papst)Prunktücher (Teppiche)Schauburg (Theater)Scheidezeichen (Komma)Schiffhalter (Anker)Schweisslöcher (Poren)Tageleuchter (Fenster)weltselig (politisch)Wohllebenskunst (Hygiene)Wortgepränge (Komplimente)Zeitblick (Minute)Zeugemutter (Natur)

