“Solange der Barcode blau ist, sind wir guter Dinge.”
Die Entwicklung der technologischen Grundlage für algorithmusbasierte Musikerkennung, wie sie Apps wie Shazam nutzen hat ihn in seinen 20ern reich gemacht. Heute legt sich Christian Pirkner als Vorstand des österreichischen Startups Blue Code mit Konzernen wie Apple oder Google an, um zu verhindern, dass die US Konzerne die gesamte Wertschöpfungskette des Bezahlvorgangs abgreifen.
Dabei hätte es eigentlich ganz anders kommen sollen: Ausgerechnet jener Partner, der Pirkner den gut dotierten Beraterjob bei McKinsey unterschreiben lassen sollte, schickt den 24 jährigen ins Silicon Valley und motiviert ihn, eine Firma zu gründen, gegen die Wand zu fahren und drei Jahre später wieder zu kommen - der Job bliebe ihm sicher. Pirkner folgt dem Rat, doch anstatt zu scheitern, verkauft er sein erstes Unternehmen um kolportierte 100 Millionen Dollar, gründet sein zweites Unternehmen und kehrt nach einem weiteren Exit ein paar Jahre später nach Österreich zurück.
David gegen Goliath
Zurück in Wien sitzt Pirkner in einer Jury und lernt das Startup Blue Code kennen. Die Idee fasziniert ihn, er investiert und wird Vorstand des Unternehmens. Auch beim Mobile Payment, einem Formatwechsel, bei dem der Bezahlvorgang von der Plastikkarte ins Smartphone wandert, dürften es wieder die US Techkonzerne sein, die die Customer Journey und damit die gesamte Wertschöpfungskette übernehmen, wie es ihnen beispielsweise in der Musik- und Filmindustrie (iTunes, Netflix, etc.) erfolgreich gelungen ist. Mögliche Szenarien, die Pirkner skizziert, lassen die eigenen Gewohnheiten durchaus hinterfragen, Stichwort: "convenience always beats security". Das möchte Pirkner verhindern und mit einer anonymen, europäischen Lösung gegensteuern.
Brand wider Willen
Das Ziel von Blue Code bestehe darin, die eigene Brand irgendwann abdrehen zu können, meint Pirkner. Es geht um die Technologie und das juristische Regelwerk im Hintergrund, die Nutzung müsse über die Bank- und Handelspartner und die Integration in deren Bankenapps geschehen - dann sei Blue Code ein Erfolg. So realistisch ist auch ein Visionär wie Pirkner, dass man es als kleine App nicht gegen Apple und Co aufnehmen könne, aber: “Solange der Barcode blau ist, sind wir guter Dinge.”



