Braucht es öffentlich, rechtlichen Rundfunk?
Nachdem ihre Eltern die Wahl eines “sinnvollen” Studiums verlangten, entschied sich Clarissa Stadler für Handelswissenschaften an der WU - mit dem Hintergedanken, ihre Interessen im Bereich Kreativität und Kultur in der Werbung auszuleben. Schließlich ist es aber der Journalismus, der Stadler in seinen Bann zieht. Ihr erster journalistischer Beitrag entstand damals für die Radio Sendung “Musicbox”, über Kollegen gelangte sie zu Falter, und Standard.
Zum Fernsehen wollte Stadler eigentlich nie - die erfolgreiche, wenn auch ungeplante Teilnahme an einem ORF Assessment Center legt schließlich den Grundstein für ihre Moderatorinnenkarriere. Nach mehreren “Fluchtversuchen” ist sie heute neben Sendungsverantwortlichem Martin Traxl das Gesicht des “kulturMontag”.
Zwangsgebühren oder Beitrag?
Die Debatte über die Notwendigkeit eines öffentlich, rechtlichen Rundfunk kommentiert Stadler: “Unsere Qualitätskriterien sind immer noch sehr, sehr hoch. Angefangen bei einem riesigen Korrespondentennetz, das uns hochklassigen Journalismus liefert. Das können Private einfach nicht leisten, weil es finanziell nicht drin ist.”
Es sei zudem überaus wichtig, einen geschützten Raum zu erhalten, der nicht kommerziell ist, wo Werbung gekennzeichnet ist und Formate ermöglicht, die aus rein finanziellen Überlegungen nicht existieren würden.
Sie ärgere sich über den Begriff Zwangsgebühren, weil es ein Beitrag sei, über den man diskutieren kann - aber diesen als Zwangsgebühr zu diffamieren, sei für sie nicht in Ordnung.
Wie viel Meinung dürfen öffentlich, rechtliche Journalisten äußern?
“So lange ich für den ORF tätig bin, darf ich keine politische Meinung, Tendenz, Ansicht im Netz äußern. Es ist alles öffentlich heutzutage. Es ist einfach ein Witz zu glauben, dass man sich aufsplitten kann in eine private und eine öffentliche Person.” Sie selbst bewertet Social Media als einen Unterhaltungsfaktor, gebe aber keine politischen Statements ab. “Ich finde man kann Haltung beweisen in dem man sich zu humanistischen Werten bekennt, politisch halte ich mich einfach extrem zurück - im Grunde erwarte ich das auch von Leuten, die objektiv und neutral gelten wollen”, so die Kulturjournalistin.



